Zu geringes Eigenkapital - zu hohe Außenstände


Eine länger anhaltende Wirtschaftsflaute macht es deutlich. Betriebe mit zu geringem Eigenkapital geraten schnell in eine Krise. Erst recht, wenn hohe Außenstände aus Lieferung oder Leistung hinzukommen, die teilweise uneinbringlich sind Das Eigenkapital lässt sich so leicht nicht aufstocken. Manchmal erscheint es nicht einmal ratsam, die letzten privaten Mittel aus der Familie in den Betrieb zu stecken. Hier ist Vorsicht geboten.

Wird den Betrieben das Geld knapp, schwindet auch die Zahlungsmoral. Lange anhaltende hohe Außenstände dürfen aber nicht zur Regel werden. Dann haben die Betriebe mit zu geringem Eigenkapital keine Chance mehr. Deshalb gebührt den Außenständen größte Aufmerksamkeit. Heute hat keiner mehr etwas zu verschenken. Um die offenen Rechnungen muss man sich kümmern.

Erbringt ein Landschaftsgärtner werkvertragliche Arbeiten, ist er zur Vorleistung verpflichtet. Aber nicht der Verkäufer von Waren. Der Käufer hat den Kaufpreis bei Erhalt der Ware zu zahlen. Liefert der Gärtner seine Produkte auf Rechnung, gewährt er dem Käufer Kredit. Deshalb entspricht der Vermerk auf der Rechnung „Der Kaufpreis ist sofort fällig" der Rechtslage und ist keinesfalls dem Kunden gegenüber unfreundlich oder gar unanständig. Wer kann sich heute schon erlauben, lange auf sein Geld zu warten? Der Käufer schuldet nach Erhalt der Ware die sofortige Zahlung des Kaufpreises.

Lässt sich der Käufer nach Erhalt der Rechnung mehr als 30 Tage Zeit, gerät er schon nach dem Gesetz in Verzug. Kommt der Schuldner mit der Zahlung in Verzug, muss er dem Gläubiger den Schaden ersetzen, der durch die Zahlungsverzögerung eingetreten ist. Das bedeutet zunächst einmal die Zahlung der Verzugszinsen.

Der früher gültige Verzugszins von regelmäßig nur vier Prozent hat manchen Schuldner verleitet, statt des teuren Bankkredits lieber den billigeren Gläubigerkredit in Anspruch zu nehmen. Dieser verbreiteten Praxis hat der Gesetzgeber einen Riegel vorgeschoben. Nunmehr muss der Schuldner in der Regel Zinsen von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz zahlen. Ist der Schuldner Unternehmer und hat er die Ware im Rahmen seiner geschäftlichen Tätigkeit erworben, schuldet er einen Verzugszins von acht Prozent über dem Basiszins. Der Basiszins wird jeweils zum 1. Januar und zum 1. Juli eines jeden Jahres von der Europäischen Zentralbank festgelegt. Er beträgt derzeit 1,97 Prozent. Die Geldschuld eines Unternehmers ist also mit 9,97 Prozent zu verzinsen. Der Lieferant sollte darauf nicht verzichten, der gesetzlich hohe Zinssatz ist nicht zuletzt auch ein gewolltes Druckmittel zur schnelleren Zahlung.

30 Tage nach Erhalt der Rechnung gerät der Schuldner auch ohne Mahnung Kraft Gesetzes in Verzug. Ist der Schuldner Verbraucher, tritt Verzug 30 Tage nach Rechnungseingang allerdings nur dann ein, wenn die Rechnung einen deutlichen diesbezüglichen Hinweis enthielt.

Wird die Rechnung noch am Tag der Lieferung erstellt, beginnt der Lauf der 30-Tage-Frist mit Zugang der Rechnung beim Kunden. Ist der Zeitpunkt des Rechnungszugangs unsicher, gerät der Kunde 30 Tage nach Empfang der Ware in Verzug. Deshalb sollte die Übergabe der Ware immer durch einen mit Empfangsquittung versehenen Lieferschein dokumentiert sein. Ist beispielsweise die Lieferung am 6. Februar erfolgt und streiten Gärtner und Käufer darüber, ob die Rechnung am 16. Februar oder noch später eingegangen ist, trifft Verzug am 6. März ein.

Die gesetzliche noch recht lange Frist von 30 Tagen bis zum Eintritt des Verzugs ohne Mahnung lässt sich aber ohne weiteres verkürzen. Dazu bedarf es lediglich einer Mahnung, die schon vor Ablauf der 30-Tage-Frist dem Käufer zugeht. Einen Tag nach Zugang der Mahnung beginnt bereits der Zinslauf. Die Mahnung selbst ist nichts anderes als die an den Schuldner gerichtete Aufforderung, die Geldschuld zu erbringen. Eine Fristsetzung ist nicht einmal erforderlich. In der Mahnung muss auch nicht auf etwaige Folgen hingewiesen werden. Die Zahlungsaufforderung muss aber für den Kunden als Mahnung erkennbar sein. Das ist sie beispielsweise nicht, wenn es heißt: „Ihrer baldigen Zahlung sehen wir gerne entgegen" oder „Die Zahlung aus unserer Rechnung vom 6. Februar ist nun fällig".

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