ÜBER DIE ZUKUNFT DES FACHGESCHÄFTS


Allgemeine Kaufzurückhaltung bietet auch Chance

• Die Zukunft des Fachgeschäftes liegt neben einem Grundangebot im Angebot des „Schönen und Besonderen'; das es nicht überall zu kaufen gibt, gepaart mit Dienstleistung und Beratung. Diese These vertritt Dr. Paul Rhein (Landwirtschaftskammer Hannover) im Gespräch mit der TASPO. Die Beschaffung solcher„exklusiven" Ware, insbesondere im Pflanzenbereich, mit der sich das Fachgeschäft von Mitanbietern unterscheiden kann, bereitet allerdings - regional unterschiedlich- zunehmend Probleme.

Rhein belegt seine These damit: Trotz der Kaufzurückhaltung der Verbraucher gab es bei Fachgeschäften, die mit einem klaren Qualitätsprofil und einem ausreichenden Grundangebot auf ihre Stammklientel setzen, kaum Umsatzeinbrüche, teilweise konnten sogar noch Zuwächse erzielt werden. Mit ihrem Profil liegen diese Fachgeschäfte zwischen den einerseits stark qualitativ spezialisierten Betrieben, die nur noch die „oberen Zehntausend" ansprechen, und andererseits denjenigen Fachgeschäften, die in große Verkaufsflächen investiert haben und sich mit ihrem Sortiment in Richtung Garten- oder Pflanzencenter veränderten.

Hier könnten sich jetzt durch das Wegbleiben der Zufalls- oder Laufkundschaft möglicherweise eher Probleme ergeben als in weniger qualitativ stark spezialisierten oder flächenmäßig stark expandierten Betrieben. Seine Einschätzung leitet Rhein aus Einzelbeobachtungen in Niedersachsen ab, die hochinterpretiert aber auch für andere Regionen gelten könnten. Bisher steht nur fest, dass der Verbraucher allgemein weniger Geld für Blumen ausgibt.

„Wir wissen noch nicht, welcher Kunde es ist und welche Nachfragesegmente durch die allgemeine Kaufzurückhaltung wegfallen." Zu vermuten sei aber, dass Kunden, die bisher schon wenig Geld für Blumen ausgaben, jetzt noch weniger oder gar keines mehr dafür ausgeben. Diese Klientel zählte aber auch vorher nicht zu den Stammkunden des Fachgeschäftes. Sie fällt deshalb für das Fachgeschäft auch nicht so dramatisch weg.


Die Stammkunden des Fachgeschäfts, so Rhein, zählen zu den Besserverdienenden und den regelmäßigen Blumenkäufern, die sich auch in einem schwieriger gewordenen wirtschaftlichen Umfeld weiterhin Blumen leisten können und auch wollen. Daher biete die derzeitige wirtschaftliche Lage auch eine Chance: Fachgeschäfte könnten sich jetzt mit ihrem Angebot und vermehrter Dienstleistung voll und ganz auf ihre Stärke, die Intensivkunden, konzentrieren. Sie müssten sich nicht länger mit niedrigpreisigen Mitnahme- oder Massenartikeln, die es anderswo sowieso günstiger zu kaufen gibt, verzetteln.

Viele ehemals wichtige Umsatzträger seien zu einem austauschbaren Artikel geworden, auf den der Kunde nicht mehr unbedingt im Fachgeschäft zurückgreift, denn dort ist er nicht zu Discountpreisen zu haben. Alternative Produkte erfordern aber das Auftun besonderer Einkaufsquellen.

Und hier sind die Produzenten gefragt: Noch gibt es zu wenig Fachgeschäfts-Artikel, mit denen sich das Fachgeschäft vom Discounter unterscheiden kann. Dass solche Pflanzen-Besonderheiten nicht überall - bundesweit - verfügbar sind, darin liegt gerade eine Chance für kleinere Produktionsbetriebe mit regionalem Absatz. Das könnte auch den Absatz über den Großmarkt wieder beleben und attraktiv werden lassen.


[Dr. Paul Rhein/rvel [Quelle: TASPO v. 24.02.2003]

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