Kolumbien

 

 

Kolumbien, amtlich República de Colombia. Republik im Nordwesten Südamerikas, grenzt im Norden an Panamá und das Karibische Meer, im Osten an Venezuela und Brasilien, im Süden an Peru und Ecuador und im Westen an den Pazifischen Ozean. Kolumbien ist das einzige südamerikanische Land mit einer Küste sowohl am Karibischen Meer als auch am Pazifik. Die Gesamtfläche beträgt 1 141 748 Quadratkilometer. Hauptstadt und zugleich größte Stadt ist Bogotá (Santa Fe de Bogotá).

Land

Das herausragende topographische Merkmal Kolumbiens ist die Bergkette der Anden , die sich in den zentralen und westlichen Landesteilen in Nord-Süd-Richtung fast über seine ganze Länge erstreckt. Die Anden bestehen aus drei großen, parallel verlaufenden Strängen: die Ostkordillere (Cordillera Oriental), die Zentralkordillere (Cordillera Central) und die Westkordillere (Cordillera Occidental). An der karibischen Küste befindet sich das isolierte Gebirgsmassiv der Sierra Nevada de Santa Marta, das sich mit dem Pico Cristóbal Colón bis zu einer Höhe von 5 775 Metern über dem Meeresspiegel erhebt. Zur Zentralkordillere gehören die Vulkankegel Nevado del Huila (5 750 Meter) und Nevado del Tolima (5 215 Meter). Rund 240 Kilometer südlich der Karibikküste geht die Zentralkordillere in dschungelbedecktes Marschland über. Die Kordillerengipfel sind von ewigem Schnee bedeckt; die Waldgrenze liegt hier bei rund 3 050 Metern.

Östlich der Ostkordillere schließen sich tropisch heiße Tiefländer an, die nur spärlich bevölkert und erst teilweise erforscht sind. Der Süden dieses Landstriches mit dem Namen selvas (Regenwälder) ist mit Dschungel bedeckt und wird vom Caquetá und anderen Nebenflüssen des Amazonas entwässert. Der nördliche, größere Teil der Region umfasst weite Ebenen, Llanos (Feuchtsavannen) genannt, durch die der Meta und andere Nebenflüsse des Orinoco fließen. Zwischen den Kordilleren liegen Hochebenen, zum Teil knapp 2 440 Meter über dem Meeresspiegel, und fruchtbare Täler, durch die die wichtigsten Flüsse des Landes verlaufen. Der Hauptfluss Kolumbiens, der Río Magdalena, fließt zwischen der Ost- und der Zentralkordillere quer durch das ganze Land und mündet nach rund 1 555 Kilometern im Norden bei Barranquilla ins Karibische Meer. Der Río Cauca hat ebenfalls große Bedeutung als Verkehrsader; er verläuft nach Norden zwischen der Zentral- und der Westkordillere und vereint sich rund 320 Kilometer vor dem Karibischen Meer mit dem Río Magdalena. Im Westen bahnt sich der Río Patía seinen Weg durch die Anden und mündet dann in den Pazifik. Die Küste Kolumbiens verläuft 1 610 Kilometer entlang des Karibischen Meeres und 1 290 Kilometer entlang des Pazifiks. Flussmündungen sind zahlreich an der Küste, es fehlen jedoch gute natürliche Häfen.

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Klima

Fast ganz Kolumbien liegt in der heißen Zone, ein meteorologischer Begriff, der die Regionen des Globus zwischen dem Wendekreis des Krebses und dem Wendekreis des Steinbockes bezeichnet. Das Küstentiefland und die tiefen Täler des Río Patía und des Río Magdalena haben ganzjährig hohe Temperaturen mit Mittelwerten von 23,9 bis 26,7 °C. Zwischen 550 bis 2 300 Meter Höhe herrschen subtropische und von 2 300 bis 3 000 Meter gemäßigte Bedingungen vor. Oberhalb 3 000 Meter beginnt die kaltgemäßigte bis kalte Klimazone, in der sich die Temperaturen zwischen –17,8 und 12,8 °C bewegen. Die Durchschnittstemperaturen für die Monate Januar bzw. Juli liegen in Bogotá bei 14,4 bzw. 13,9 °C, in Barranquilla sehr viel höher: 26,7 und 27,8 °C.

Regenzeiten und Trockenzeiten wechseln alle drei Monate. Die Pazifikküste ist sehr regenreich. In Bogotá liegt die Niederschlagsmenge im Durchschnitt bei 1 052 Millimetern, in Barranquilla bei durchschnittlich 799 Millimetern. An den Hängen der Ostkordilleren herrscht dagegen trockenes Klima.

Flora und Fauna

Die ursprüngliche Pflanzen- und Tierwelt Kolumbiens ist so vielfältig wie die Topographie des Landes. An der karibischen Küste wachsen Mangroven und Kokospalmen. In den Waldgebieten, die sich auf mittlerer Höhe über mehr als 51 Millionen Hektar ausdehnen, finden sich auch forstwirtschaftlich nutzbare Bäume wie Mahagoni, Guajakbaum, Eiche, Walnussbaum, Zeder, Kiefer und verschiedene Arten von Balsabäumen. Aus tropischen Pflanzen werden Kautschuk, Chiclegummi, Chinarinde , Vanille, Sarsaparilleextrakt, Ingwer, Kopalharz, Brechwurzel, Tonkabohnen und Rizinusöl gewonnen.

In der Tierwelt Kolumbiens finden sich die größeren südamerikanischen Säugetiere wie Jaguar, Puma, Tapir, Pekari, Ameisenbär, Faultier, Gürteltier sowie verschiedene Affenarten und Rotwild. Kaimane, die früher in großer Zahl die Flüsse bewohnten, sind durch intensive Bejagung selten geworden. In den tropischen Gebieten leben viele Schlangenarten. Zu den heimischen Vögeln zählen Kondor, Geier, Tukan, Papagei, Kakadu, Kranich, Storch und Kolibri. Kolumbien hat einige fruchtbare Tiefebenen, doch nur fünf Prozent des Staatsgebiets, vor allem in höher gelegenen Regionen, werden landwirtschaftlich genutzt. Ausgelaugte Böden und Erosion sind die Folgen von Brandrodung, die in der Landwirtschaft für Probleme sorgt.

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Bevölkerung

Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung Kolumbiens ist heterogen. Etwa 58 Prozent sind Mestizen (Mischlinge spanischer und indianischer Vorfahren), 20 Prozent haben europäische Vorfahren und 14 Prozent sind Mulatten (Mischlinge schwarzer und weißer Vorfahren). Die restlichen acht Prozent setzen sich aus Schwarzafrikanern, Indios und anderen Bevölkerungsgruppen zusammen.

Die Bevölkerungszahl Kolumbiens liegt bei etwa 36,3 Millionen, was einer Bevölkerungsdichte von 32 Einwohnern pro Quadratkilometer entspricht. 70 Prozent der Kolumbianer leben in den Städten. Am dichtesten besiedelt sind die Täler des Río Magdalena und des Río Cauca sowie die karibische Küste.

Wichtige Städte

Hauptstadt und größtes urbanes Zentrum ist Bogotá, der industrielle Mittelpunkt des Landes mit einer Bevölkerung von etwa 5,1 Millionen. Andere bedeutsame Wirtschaftszentren sind die für die Herstellung und den Handel mit Textilien wichtigen Städte Cali (1,7 Millionen) und Medellín (1,6 Millionen), Barranquilla (1,1 Millionen), das über einen Seehafen und einen internationalen Flughafen verfügt sowie Cartagena (730 000) mit einem Seehafen und dem Terminal einer Erdölpipeline.

Sprache und Religion

Amtssprache ist Spanisch. Darüber hinaus gibt es etwa 40 Indianersprachen, die von verschiedenen Indiogruppen gesprochen werden. Rund 95 Prozent der Kolumbianer gehören der römisch-katholischen Kirche an. Daneben gibt es kleine protestantische und jüdische Minderheiten. Das Konkordat von 1973 gewährt der römisch-katholischen Kirche einen Sonderstatus.

Soziales

Die staatliche Gesundheitsfürsorge macht Fortschritte, allerdings herrscht immer noch Ärztemangel. Der Großteil der Ärzte praktiziert in den größeren Städten. Kolumbien hat rund 750 Krankenhäuser und 860 Zentren für medizinische Versorgung. Die Lebenserwartung liegt bei 67 Jahren für Männer und 73 Jahren für Frauen. Malaria und Gelbfieber sind in einigen Teilen des Landes immer noch verbreitet. Die staatliche Sozialversicherung gewährt Beihilfen bei Mutterschaft und bei zahnärztlicher Behandlung. Die meisten Arbeitnehmer in der Industrie sind gegen Unfall und Invalidität versichert, Angehörige haben Anrecht auf Versorgung. Die Sozialversicherung wird durch Beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber und durch staatliche Zuwendungen finanziert.

Bildung und Kultur

Das Erbe der spanischen Kolonialzeit ist in Kolumbien mehr als in jedem anderen südamerikanischen Land spürbar. In Kleidung und Familienleben sind die traditionellen Sitten und Gebräuche immer noch lebendig. Obwohl sich in Kolumbien viele Rassen mischen, sind für seine kulturelle Vielfalt nicht die ethnische Zugehörigkeit, sondern die Regionen ausschlaggebend. Die einheimische Indiokultur wurde rasch von der neuen Kultur der spanischen Siedler assimiliert, mit dem Ergebnis, dass heute fast alle Kolumbianer Spanisch sprechen.

Bildung und Schulwesen

Fünfjähriger unentgeltlicher Schulbesuch ist Pflicht. Nach großen Bemühungen im Bildungssystem können heute 91 Prozent aller Kolumbianer über 15 Jahren lesen und schreiben. In den größtenteils unter dem Einfluss der römisch-katholischen Kirche stehenden öffentlichen Schulen ist katholischer Religionsunterricht Pflicht. Einige Schulen werden von der protestantischen Kirche geführt, diese finden sich vorwiegend in Bogotá. In der Regel finanziert der Staat weiterführende Schulen und Universitäten und kommt auch für Grundschulen in Städten und Departamentos auf, die dies aus eigener Kraft nicht vermögen. Insgesamt schließen etwas unter 60 Prozent der Schulpflichtigen die Grundschulausbildung ab, über ein Drittel davon besucht weiterführende Schulen, einschließlich Berufsschulen und pädagogischer Ausbildungsstätten. Kolumbien verfügt über 235 Hochschulen, die von mehr als 457 000 Studenten besucht werden. Zu den größten Universitäten des Landes gehören die Nationale Universität von Kolumbien in Bogotá (von der Teile bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen), die Universität Cartagena, die Antioquía-Universität in Medellín und die Nariño-Universität in Pasto.

Kultureinrichtungen

Die Nationalbibliothek in Bogotá (gegründet 1777) verfügt über einen Bestand von mehr als 680 000 Bänden; sie verwaltet auch Stadt- und Dorfbüchereien im ganzen übrigen Land. Die wichtigsten Museen befinden sich in Bogotá. Das Nationalmuseum besitzt Gemäldesammlungen aus der Zeit der spanischen Eroberung und der Kolonialzeit. Das Nationale Archäologische Museum beherbergt vorzeitliche Gerätschaften, Steinskulpturen, Textilien, Goldschmiedearbeiten und andere Materialien aus Fundstätten im ganzen Land. Das berühmte Goldmuseum verfügt über eine einzigartige Sammlung von goldenen Objekten aus präkolumbianischer Zeit.

Kunst und Musik

Zur kolumbianischen Literatur und Musik siehe lateinamerikanische Literatur; lateinamerikanische Musik; lateinamerikanische Kunst und Architektur; präkolumbianische Kunst und Architektur. Zu den herausragenden Vertretern der kolumbianischen Literatur des 19. Jahrhunderts zählt der Romancier Jorge Isaacs; im 20. Jahrhundert sind der Dichter Germán Pardó García und vor allem der Romancier und Nobelpreisträger Gabriel García Márquez zu nennen.

Verwaltung und Politik

Nach der kolumbianischen Verfassung von 1991, die eine Charta aus dem Jahr 1886 ablöste, ist Kolumbien eine präsidiale Republik mit einer stark zentralisierten Staatsform.

Exekutive

Die zentrale Machtbefugnis liegt beim Präsidenten, der direkt vom Volk gewählt wird und dieses Amt nur einmal für vier Jahre ausüben darf. Es besteht allgemeines Wahlrecht für Männer und Frauen über 18 Jahren. Der Präsident ernennt die Mitglieder des Kabinetts, die vom Kongress bestätigt werden müssen. Nach der Verfassung von 1991 werden auch die Gouverneure der Departamentos direkt gewählt.

Legislative

Die gesetzgebende Macht liegt in Kolumbien beim Kongress, der aus einem Abgeordnetenhaus (165 Sitze) und einem Senat (102 Sitze) besteht. Zwei Sitze im Senat und fünf Sitze im Abgeordnetenhaus sind den Indios vorbehalten. Die Verfassung von 1991 sieht Strafen für Absentismus vor und schließt Kongressmitglieder aus, die gleichzeitig andere öffentliche Ämter bekleiden.

Judikative

Die 24 Mitglieder des Obersten Gerichtshofes werden auf Lebenszeit von Richtern gewählt, die bereits im Amt sind. Das Gerichtswesen umfasst höhere und niedere Bezirksgerichte sowie Land- und städtische Gerichte. Die Verfassung von 1991 verbietet die Auslieferung kolumbianischer Staatsbürger und garantiert eine unabhängige Strafverfolgung. Die Todesstrafe ist abgeschafft.

Kommunalverwaltung

Kolumbien ist in 32 Departamentos und einen Hauptstadtdistrikt Bogotá eingeteilt. Die Gouverneure der jeweiligen Distrikte werden vom Präsidenten ernannt.

Politik

Kolumbien hat ein relativ freies politisches System, in dem sich mehrere Parteien entfalten können. Die beiden traditionell staatstragenden Parteien sind die Partido Social Conservador (PSC, Konservative Partei), die für einen zentralistischen Staat und enge Beziehungen zur katholischen Kirche eintritt, und die Partido Liberal (PL, Liberale Partei), die sich für eine Stärkung der Regionen und für die Trennung von Kirche und Staat einsetzt. Zwischen 1958 und 1974 waren die Liberalen und die Konservativen die einzigen legalen politischen Parteien in Kolumbien. Eine Verfassungsänderung aus dem Jahr 1957 hatte diese Regelung geschaffen, um die gefährlichen Spannungen zwischen Liberalen und Konservativen abzubauen. Mit der Bildung dieser „Nationalen Front“ (Frente de Transformación Nacional) standen beiden Parteien jeweils genau die Hälfte der Sitze in den gesetzgebenden Kammern zu, ebenso die Hälfte der Kabinettsposten und anderer Regierungsämter. Das Amt des Präsidenten wurde abwechselnd von einem konservativen und einem liberalen Spitzenpolitiker ausgeübt. In den achtziger Jahren hielten die Liberalen die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses. Aus den Präsidentschaftswahlen von 1990 ging die frühere Guerillabewegung Movimiento 19 de Abril (M-19) als dritte politische Kraft Kolumbiens hervor. Daneben ist noch die kommunistische Unión Patriótica von Bedeutung.

Verteidigung

Alle männlichen Staatsbürger im Alter von 18 Jahren und darüber sind in Kolumbien zum ein- bis zweijährigen Wehrdienst verpflichtet.

Wirtschaft

Die Gesamtzahl der Beschäftigten in Kolumbien beträgt fast 8,5 Millionen; 27 Prozent sind in der Land- und Forstwirtschaft und in der Fischerei tätig, 18 Prozent arbeiten in Industrie und Bergbau und 55 Prozent im Dienstleistungssektor. Trotz des raschen industriellen Wachstums der letzten Jahrzehnte ist Kolumbien in erster Linie ein Agrarland, dessen Wirtschaft traditionell vom Kaffeeanbau abhängt. Zusätzliche Einnahmen bringen der Anbau des Kokastrauches und der illegale Handel mit Kokain, der sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt hat.

Landwirtschaft

Kaffee ist die Hauptanbaufrucht Kolumbiens. Brasilien hat zwar eine höhere jährliche Kaffeeproduktion, Kolumbien ist aber der führende Produzent milder Kaffeesorten. Die Kaffeesträucher werden vornehmlich an Berghängen auf einer Höhe zwischen 1 000 und 1 900 Metern über dem Meeresspiegel angebaut, vor allem in den Departamentos Caldas, Antioquía, Cundinamarca, Norte de Santander, Tolima und Santander. Mehr als 150 000 meist kleine Kaffeeplantagen bedecken über eine Million Hektar Land. Die Kaffeeproduktion erreichte Anfang der neunziger Jahre eine Million Tonnen jährlich, wovon das meiste in die Vereinigten Staaten exportiert wurde. Andere wichtige Anbaufrüchte sind Zuckerrohr, Reis, Bananen, Tabak und Baumwolle. An dritter Stelle stehen Getreide, Gemüse und eine große Vielfalt an tropischen und halbtropischen Früchten und Blumen. Auch Pflanzenfasern wie Sisal und Hanf, aus denen Seile und grobes Sackleinen gemacht werden, werden produziert. Der wirtschaftlich relevante Tierbestand umfasst vor allem Rinder, Schweine, Schafe und Pferde.

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Forstwirtschaft und Fischerei

Ein großer Teil der Waldgebiete Kolumbiens ist wegen der schlechten Verkehrsverhältnisse nicht nutzbar, viele Bäume ergeben kein verwertbares Holz. Das Holz wird in erster Linie als Brennstoff genutzt.

Die Küstengewässer und viele Flüsse und Seen Kolumbiens sind fischreich. Unter den vielen Arten sind besonders Forelle, Silberkönig, Istiophorus und Thunfisch zu nennen. Die Hälfte der Fangmenge beläuft sich auf Süßwasserfische.

Bergbau

Das Land besitzt umfangreiche und vielfältige Bodenschätze. Kolumbien ist weltweit größter Lieferant von Smaragden. An weiteren bedeutenden Vorkommen sind zu nennen: Erdöl und Erdgas, Steinkohle, Gold, Silber, Eisenerz, Stein- und Meersalz, Kupfer, Nickel, Platin und Uran. Die Erdölförderung liegt in der Hand des Staates sowie privater Gesellschaften, die eine Konzession haben. Die Produktion von Rohöl konzentriert sich auf das Tal des Río Magdalena und auf das Gebiet zwischen der Ostkordillere und Venezuela. Ein Großteil des kolumbianischen Öles wird zur Weiterverarbeitung nach Curaçao transportiert.

Gold wurde in Kolumbien schon in vorkolumbianischer Zeit abgebaut. Die größten Lagerstätten befinden sich im Departamento Antioquía, weniger bedeutend sind die Vorkommen in den Departamentos Cauca, Caldas, Nariño, Tolima und Chocó. Kolumbien ist der führende Goldproduzent in Südamerika. Platin wurde 1735 in Kolumbien entdeckt und wird im goldhaltigen Sand der Niederungen des Rio San Juan und des Rio Atrato abgebaut. Kolumbien hat weltweit die größten Platinvorkommen. Die bedeutendsten Zentren des Smaragdbergbaues sind die Muzo- und Chiverminen. Weitere Mineralprodukte Kolumbiens sind Blei, Mangan, Zink, Quecksilber, Glimmer, Phosphate und Schwefel.

Industrie

Die Industrie Kolumbiens, die in den fünfziger Jahren dank hoher Schutzzölle auf Importe ihren Aufschwung nahm, besteht im Allgemeinen aus kleinen Unternehmen, die für den heimischen Markt produzieren. Zusammen machen sie 20 Prozent der jährlichen nationalen Produktion aus. Baumwollspinnereien, die vor allem in Barranquilla, Manizales, Medellín und Samacá ansässig sind, bilden eine wichtige Branche. Weitere Industriezweige sind die Nahrungsmittelherstellung, Tabakverarbeitung, Eisen- und Stahlindustrie sowie Transporteinrichtungen. Neben traditionellen Artikeln wie Panamáhüten, Schuhen und Glaswaren gewinnen chemische Produkte an Bedeutung. Schätzungen zufolge werden 90 Prozent der weltweiten Kokainproduktion in Kolumbien abgewickelt.

Währung und Bankwesen

Die kolumbianische Währung ist der Peso (ein Peso entspricht 100 Centavos). Die Staatsbank gibt die Banknoten aus und übt das Münzrecht sowie das Salz- und Smaragdmonopol für die Regierung aus. Außerdem spielt sie im währungspolitischen Ausschuss eine maßgebliche Rolle bei der Gestaltung der Geldpolitik. Über 25 Geschäftsbanken, die staatliche Entwicklungsbank und weitere amtliche und halbamtliche Finanzinstitute sind in Kolumbien tätig. Bogotá, Medellín und Cali sind Börsenplätze.

Außenhandel

Mit über einem Drittel des jährlichen Exportertrags ist Kaffee der Hauptexportartikel Kolumbiens. Erdöl, Baumwollprodukte, Schnittblumen, Bananen, Chemikalien, Zucker, Steinkohle, Gold, Smaragde und Vieh sind weitere wichtige Exportwaren. Eingeführt werden vor allem Maschinen und Transportausrüstungen, chemische Erzeugnisse, Metalle und Metallerzeugnisse sowie Nahrungsmittel. Die Vereinigten Staaten sind Kolumbiens wichtigster Handelspartner, aber auch Puerto Rico, Argentinien, Brasilien, Chile, Mexiko, Venezuela, Japan, Deutschland und die Niederlande haben einen beträchtlichen Anteil am Außenhandel des Landes.

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Gewerkschaften

Mehr als 1,6 Millionen Beschäftigte sind in Gewerkschaften organisiert, hauptsächlich in der Unión de Trabajadores de Colombia (UTC, Nationale Gewerkschaft der Arbeiter) mit 1,2 Millionen Mitgliedern und in der Confederación de Trabajadores de Colombia (CTC, Kolumbianischer Verband der Arbeiter) mit 400 000 Mitgliedern. Das Streikrecht steht laut Verfassung jedem zu, der nicht im öffentlichen Dienst beschäftigt ist.

Verkehrswesen

Das starke Relief des Landes macht den Bau von Straßen und Eisenbahnlinien sehr kostspielig. Kolumbien hat ein 3 235 Kilometer langes Eisenbahnnetz, das 1962 verstaatlicht wurde. Die meisten Linien sind Zubringerstrecken zum Río Magdalena, der Hauptverkehrsader des Landes. Der Fluss ist ausgehend von seiner Mündung auf rund 1 500 Kilometer schiffbar. Das Straßennetz ist 106 220 Kilometer lang, einschließlich eines Teiles der Simón-Bolívar-Fernstraße, die Bogotá und andere kolumbianische Städte mit Caracas in Venezuela und Quito in Ecuador verbindet. Der Luftverkehr begann in Kolumbien 1919. Heute betreiben kolumbianische und internationale Fluggesellschaften Linien im Land. Nationale Fluggesellschaft ist die 1919 gegründete AVIANCA. 1946 einigten sich Kolumbien, Venezuela und Ecuador auf die Schaffung einer gemeinsamen Handelsmarine; 1953 zog sich Venezuela jedoch wieder zurück. Wichtige Seehäfen sind Buenaventura, Tumaco, Santa Marta, Barranquilla und Cartagena.

Energie

Mit seinen Kohle-, Erdgas- und Erdölvorkommen ist Kolumbien Selbstversorger. Das Land verfügt über mehrere Wasserkraftwerke, die drei Viertel der Elektrizität des Landes erzeugen.

Geschichte

Archäologische Funde in Kolumbien lassen darauf schließen, dass das Land bereits um 3000 v. Chr. besiedelt war. Überreste einer der faszinierendsten Kulturen der westlichen Welt sind in San Augustín nahe der Quelle des Río Magdalena in den kolumbianischen Anden gefunden worden. Bisher ist nur wenig bekannt über die Schöpfer dieser steinernen Statuen und Reliefs, Grabmäler und Kapellen. Auch über die Datierung ihrer Blütezeit sind sich die Historiker noch nicht schlüssig. Nach heutigen Schätzungen lagen die Anfänge von San Augustín in den letzten fünf Jahrhunderten v. Chr.

Die Statuen haben im Allgemeinen anthropomorphe Gestalt, häufig sitzt eine Gestalt auf den Schultern einer anderen. Die Fundorte (Höhlen und auf Hügeln) weisen auf rituelle Bedeutung. Besonders auffällig ist die Statue eines Vogels, der eine Schlange im Schnabel hält – offenbar ein Fruchtbarkeitssymbol– und Ähnlichkeit mit dem Emblem der Azteken aufweist.

Spanische Eroberung

Vor der Ankunft der Spanier waren weite Teile Kolumbiens am Oberlauf des Río Magdalena von den Muisca besiedelt (um 1200 bis 1540). Sie waren geschickte Ackerbauern, ihre Kultur hatte Ähnlichkeit mit derjenigen der Inka. Auf seiner letzten Reise in die Neue Welt im Jahr 1502 erkundete Christoph Kolumbus einen Teil der karibischen Küste des Reiches der Muisca, die nun die Nordküste Kolumbiens bildet. Nach ihm kamen spanische Konquistadoren, die die Muisca unterwarfen und 1510 in Darién die erste feste europäische Siedlung auf dem amerikanischen Festland gründeten; 1525 folgte die Siedlung Santa Marta. Mit der Gründung von Villa de la Santa Fé de Bogotá im Jahr 1538 war die Eroberung Kolumbiens durch den Spanier Gonzalo Jiménez de Quesada abgeschlossen. 1549 wurde das frühere Reich der Muisca dem Generalkapitanat Neugranada unterstellt. Zwischen 1717 und 1739 wurden das Generalkapitanat Neugranada und die Gebiete, aus denen später Ecuador, Venezuela und Panamá hervorgingen, zum Vizekönigreich Neugranada zusammengefasst. Die stagnierende wirtschaftliche Entwicklung und die Diskriminierung der in Neugranada geborenen Bürger führten zum Widerstand gegen die spanische Herrschaft. Nach dem Vorbild der erfolgreichen Revolutionen in Frankreich und in den Vereinigten Staaten im späten 18. Jahrhundert schloss sich die Bevölkerung von Neugranada der Unabhängigkeitsbewegung an, die Anfang des 19. Jahrhunderts das spanische Kolonialreich im Westen aus den Angeln hob.

Unabhängigkeit von Spanien

In den darauf folgenden Kriegen erwies sich der südamerikanische Führer Simón Bolívar als herausragender Revolutionär und Feldherr. Nach seinem entscheidenden Sieg über die spanischen Royalisten in der Schlacht am Rio Boyacá am 7. August 1819 gelang die Befreiung des ehemaligen Generalkapitanats Neugranada. Der Kongress von Angostura, der sich am 17. Dezember 1819 konstituierte, proklamierte den Staat Groß-Kolumbien, der das ehemalige Generalkapitanat Neugranada, das heutige Panamá sowie Venezuela und Ecuador umfasste. Der Kongress von Cúcuta verabschiedete am 30. August 1821 eine Verfassung für Groß-Kolumbien, die eine republikanische Staatsform für das Land vorsah. Bolívar wurde zum ersten Präsidenten gewählt. Innen- und außenpolitische Konflikte führten 1830 zum Zerfall von Groß-Kolumbien in Kolumbien, Venezuela und Ecuador.

Die Geschichte des Landes ist seither von dem oft blutigen Kampf der liberalen und konservativen Kräfte um die Ausübung der politischen Macht gekennzeichnet. Bei der Auseinandersetzung um politische und soziale Fragen ging es oft auch um das Vermögen, den rechtlichen Status und die Privilegien der katholischen Kirche.

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Verfassungsänderungen

Die Sklaverei wurde 1851 bis 1852 abgeschafft. Eine neue, 1853 verabschiedete Verfassung garantierte ein Gerichtsverfahren vor unabhängigen Geschworenengerichten, Pressefreiheit und andere bürgerliche Rechte. 1853 kam es zur Trennung von Kirche und Staat. Fünf Jahre später wurden die Provinzen in Bundesstaaten umgewandelt, die bisherige Republik Neugranada wurde zur Granadinischen Konföderation. Im Jahr 1861 kam es zum Bürgerkrieg zwischen den Liberalen, die mehr Souveränität für die Bundesstaaten forderten, und den Konservativen, die für eine stärkere Zentralregierung eintraten. Nach dem Sieg der Liberalen wurde 1863 erneut die Verfassung geändert. Das Land war nun ein loser Bund von neuen souveränen Staaten mit dem Namen Vereinigte Staaten von Kolumbien.

Von 1876 bis 1930 bestimmten die Konservativen die kolumbianische Politik. Ein Aufstand der Liberalen wurde 1885 niedergeschlagen. Mit einer neuen, 1886 proklamierten Verfassung wurden die souveränen Staaten, wie sie die Verfassung von 1863 ins Leben gerufen hatte, wieder abgeschafft und die Strukturen für das heutige Kolumbien gelegt. Auch der Name Republik Kolumbien ist seither offizieller Staatsname. Die katholische Kirche wurde zur Staatskirche erklärt. Zwischen 1899 und 1902 wütete erneut der Bürgerkrieg im Land. Dieser als „Krieg der tausend Tage“ bekannt gewordene Konflikt kostete 60 000 bis 130 000 Bürgern das Leben.

Verlust von Panamá

Im Jahr 1903 weigerte sich der kolumbianische Senat, den Hay-Herrán-Vertrag zu unterzeichnen, der vorsah, den USA einen Streifen des Staatsgebiets zum Bau eines Kanals durch den Isthmus von Panamá zu überlassen. In Panamá brach daraufhin eine Revolte aus. US-Truppen griffen in den Konflikt ein und hinderten die kolumbianische Armee, die Erhebung niederzuschlagen. Die amerikanische Regierung erkannte Panamá als unabhängigen Staat an. Die angespannten Beziehungen, die in der Folge zwischen Kolumbien und den USA herrschten, fanden erst mit dem 1921 ratifizierten Thomson-Urrutia-Vertrag eine Lösung.

Ein Machtwechsel, der im Zuge der Weltwirtschaftskrise den Liberalen in den Wahlen des Jahres 1930 zum Sieg verhalf, führte 1936 zu einer Reihe von Verfassungsänderungen. Der Regierung sollte künftig erlaubt sein, im nationalen Interesse Privateigentum zu verstaatlichen; Arbeiter bekamen ein gesetzlich geregeltes Streikrecht; die katholische Kirche verlor den Status der Staatskirche; das öffentliche Schulwesen wurde laizistisch. Eine neue Arbeits- und Sozialgesetzgebung, die 1944 in Kraft trat, führte Tariflöhne, bezahlten Urlaub, Unfall- und Krankengeld sowie das Recht zu gewerkschaftlicher Betätigung ein.

2. Weltkrieg und Nachkriegsära

Während des 2. Weltkrieges (1939-1945) brach Kolumbien 1941 die diplomatischen Beziehungen zu Japan, Deutschland und Italien und 1942 zum französischen Vichy-Regime ab. 1943 erklärte Kolumbien dem Deutschen Reich den Krieg. Nach dem Krieg gehörte Kolumbien zu den 51 Gründungsmitgliedern, die die Charta der Vereinten Nationen im Juni 1945 unterzeichneten.

In der Nachkriegsära wurde Kolumbien von einer schweren politischen Krise geschüttelt, eine direkte Folge des sich verstärkenden Antagonismus zwischen dem liberalen und dem konservativen Lager. Die Spaltung der Liberalen führte 1946 zum Wahlsieg des konservativen Präsidenten M. Ospina Pérez. Nach der Ermordung des Vorsitzenden der Liberalen Partei, Jorge Eliécer Gaitán, am 9. April 1948 in Bogotá, kam es im ganzen Land zu Erhebungen gegen die konservative Regierung; bei den Auseinandersetzungen kamen 1 500 Menschen ums Leben und mehr als 20 000 wurden verletzt. Wegen der Unruhen musste die IX. Interamerikanische Konferenz, die damals in Bogotá tagte, abgebrochen werden. Dennoch gelang es den Konferenzteilnehmern, den Entwurf zu einer Charta der Organisation der Amerikanischen Staaten fertig zu stellen, die auch von Kolumbien am 30. April 1950 unterzeichnet wurde. Die Regierung konnte mit Hilfe der loyal zu ihr stehenden Armee die Erhebung niederschlagen, bildete aber dann das Kabinett so um, dass die Ministerposten zur Hälfte mit Liberalen und Konservativen besetzt wurden. Dennoch stiegen die Spannungen auch in den darauf folgenden Monaten an. Die Minister der Liberalen verließen die Regierung, als per Verordnung politische Versammlungen und Paraden verboten wurden. Die Liberale Partei zog auch ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen von 1949 zurück und klagte die Regierung der Verletzung der Wahlrechtsgesetze an. Daraufhin gewann der konservative Kandidat Laureano Gómez Castro ohne Gegenkandidat die Novemberwahlen. Er trat im August 1950 sein Amt an.

Eine Ära der Gewalt

Zwischen Gómez’ Wahl und Amtseinführung hatte eine neue Phase in der politischen Auseinandersetzung begonnen. Bewaffnete Guerillaeinheiten waren in vielen abgelegenen Landesteilen aktiv. Die Regierung erklärte daraufhin den Notstand und suspendierte die Sitzungsperiode des Kongresses für 1950. Kurz nach Gómez’ Amtseinführung kam ein Parteitag der Liberalen zustande, auf dem die Legitimität der Regierung bestritten wurde. Man warf ihr vor, die Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit zu unterdrücken. Der Parteitag endete mit dem Beschluss, die Wahlen weiter zu boykottieren. Im Februar 1953 legte die Konservative Partei einen neuen Verfassungsentwurf vor, der Kolumbien ein totalitäres Regime nach dem Muster Spaniens unter General Francisco Franco oktroyiert hätte. Liberale und gemäßigte Konservative bekämpften die neue Verfassung aufs schärfste, und als 1953 die Regierung Gómez von einer Militärjunta gestürzt wurde, billigten beide Parteien den Staatsstreich. General Gustavo Rojas Pinilla wurde provisorisch zum Präsidenten ernannt. Im August 1954 wählte ihn die verfassunggebende Versammlung für eine vierjährige Amtsperiode. Die Versammlung trat erst im Oktober 1956 wieder zusammen; in der Zwischenzeit regierte die Regierung per Dekret. Bei der Eröffnungssitzung kritisierten einige Delegierte offen die repressive Politik des Präsidenten Rojas Pinilla. Eine Welle gewalttätigen Protests gegen die Regierung folgte. Dennoch wurde Rojas Pinilla im Mai 1957 vom Kongress wieder gewählt. Die Öffentlichkeit reagierte mit Empörung, und wenige Tage später wurde der Präsident durch einen Militärputsch entmachtet. Die Liberale und die Konservative Partei einigten sich darauf, alle Regierungsposten für die Dauer von zwölf Jahren zu gleichen Teilen zu besetzen. Dieser Plan erhielt bei dem Referendum vom 1. Dezember 1957 die Billigung des Volkes, worauf er 1958 auf 16 Jahre ausgedehnt wurde. Der Bürgerkrieg zwischen den Anhängern der Liberalen und der Konservativen forderte in den Jahren von 1948 bis 1958 insgesamt über 200 000 Menschenleben.

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Die Nationale Front und danach

Ebenfalls 1958 wurde der Kandidat der Liberalen, Alberto Lleras Camargo, ein zweites Mal in dieses Amt gewählt. Die 1957 gebildete liberal-konservative Koalition, die sich Nationale Front (Frente de Transformación Nacional) nannte, sorgte in den sechziger Jahren für politische Stabilität in Kolumbien. Die Koalition hatte zwar die Mehrheit im Abgeordnetenhaus und im Senat, konnte aber nur selten die Zweidrittelmehrheit auf sich vereinen, die in beiden Häusern für die Verabschiedung von Gesetzentwürfen erforderlich war. Die Regierung sah sich deswegen häufig zu beinahe vollständiger Handlungsunfähigkeit verurteilt. Präsident Guillermo León Valencia, der Kandidat der Konservativen, der 1964 in das höchste Amt gewählt wurde, rief im Jahr darauf den Notstand aus, um auf diese Weise das politische Patt zu überwinden. Auch sein Nachfolger, Präsident Carlos Lleras Restrepo, der für die Liberalen kandidierte und Valencia 1966 ablöste, regierte per Notverordnung. Aus den Wahlen des Jahres 1970 ging wieder die Nationale Front mit ihrem Kandidaten Misael Pastrana Borrero als Sieger hervor und wies den Herausforderer, den ehemaligen Diktator Rojas Pinilla, in die Schranken.

Als die Koalition der Nationalen Front 1974 auseinanderbrach, wurde der Liberale Alfonso López Michelsen in freien Wahlen zum Präsidenten gewählt. Die Konservativen erhielten einige Kabinettsposten. Das Land verzeichnete weiterhin hohe Arbeitslosenzahlen; es kam zu Arbeitskämpfen und Studentenunruhen und verschiedentlich zu Guerillaaktivitäten. Bei den Wahlen von 1978, die sich durch geringe Wahlbeteiligung auszeichneten, gelangte ein weiterer Liberaler, Julio Turbay Ayala, mit knapper Mehrheit ins Präsidentenamt; er berief später fünf konservative Politiker in sein Kabinett. Linksgerichtete Guerillakämpfer traten 1979 mit spektakulären Aktionen immer selbstbewusster auf. 1980 besetzte ein Guerillakommando 61 Tage lang die Botschaft der Dominikanischen Republik in Bogotá und hielt viele ausländische Diplomaten als Geiseln fest. Bei den Präsidentschaftswahlen von 1982 siegte der Kandidat der Konservativen, Belisario Betancur Cuartas. Der neugewählte Präsident erließ eine Amnestie, die 400 Guerillas die Freiheit bescherte; im Mai 1984 wurde ein Waffenstillstand zwischen der Regierung und den Rebellen vereinbart. Im gleichen Jahr ging Betancur massiv gegen den grassierenden Drogenhandel im Land vor, doch schon 1985 setzten die Guerillas ihre Aktivitäten verstärkt fort. Auch der Kampf gegen den Drogenhandel verlor an Durchschlagskraft, da Drogenhändler und Rebellen in manchen Teilen des Landes zusammenarbeiteten. Im November lieferten sich rechtsgerichtete Todesschwadronen und Rebellen heftige Kämpfe, nachdem die Guerillas in den Justizpalast in Bogotá eingedrungen und Dutzende Geiseln genommen hatten. Die Belagerung endete mit dem Sieg der Armee, aber mehr als 100 Todesopfer waren zu beklagen, darunter der Vorsitzende des Obersten Gerichts und zehn weitere Richter. Noch im selben Monat ging nach einem Vulkanausbruch eine verheerende Schlammflut über die Bevölkerung der Umgebung nieder. Die Zahl der Toten und Vermissten belief sich auf 25 000.

1986 gewannen die Liberalen die Wahlen, ihr Führer Virgilio Barco Vargas übernahm am 7. August das Präsidentenamt. Als Antwort auf eine Reihe von Mordanschlägen, in welche die kolumbianische Drogenmafia verwickelt war, verhaftete die Regierung im August 1989 mehr als 10 000 Personen und beschlagnahmte den Besitz von verdächtigen Drogenhändlern. Nach einem Wahlkampf, in dessen Verlauf drei Präsidentschaftskandidaten ermordet wurden, gelang dem von der Liberalen Partei nominierten César Gaviria Trujillo im Mai 1990 der Sprung ins Präsidentenamt. Er machte sich für eine neue Verfassung stark, die im Juli 1991 in Kraft trat und neben anderen Regelungen das Verbot der Auslieferung kolumbianischer Staatsbürger vorsah. Gaviria hob auch den Notstand auf und bot den Drogenhändlern, die sich freiwillig stellten, eine Amnestie an. Teilweise hatte er damit Erfolg, doch der Kokainhandel blieb neben dem Guerillakrieg auch weiterhin Ursache ständiger Unruhe.

Terroraktivitäten der Guerilla und Gewalt im Zusammenhang mit Drogenhandel setzten sich auch 1992 in hoher Intensität fort und zwangen die Regierung, erneut den Notstand auszurufen. 1993 wurde Pablo Escobar, der Chef des Kokainkartells von Medellín, bei einem Feuergefecht mit staatlichen Sicherheitskräften getötet, als er sich seiner Verhaftung entziehen wollte. Bei den Wahlen im März 1994 konnten die Liberalen ihre Mehrheit verteidigen. Im Juni wurde Ernesto Samper Pizano von der Liberalen Partei zum Präsidenten gewählt (Stichwahl). Im selben Monat ereignete sich im Südwesten Kolumbiens ein Erdbeben der Stärke 6,8 nach der Richterskala. Durch Lawinen und Flutwellen kamen Hunderte ums Leben.

Im Juli 1996 protestierten Tausende von Landwirten gegen die Vernichtung ihrer Kokaplantagen durch staatliche Ordnungskräfte. In einigen Provinzen des Landes sagte die Regierung den Bauern daraufhin höhere Entschädigungen bei der Umstellung auf andere Produkte zu.

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