Liberale GeschäftsZeiten-Regelung

Die Bestimmungen für Ladenöffnungszeiten so liberal wie möglich zu gestalten, hält Heinz Herker, Vorsitzender des Bundesverbandes Einzelhandelsgärtner (BVE) grundsätzlich für erstrebenswert. Aber von dem seit dem 1. Juni 2003 geltenden neuen Ladenschlussgesetz erwarten die Mitgliedsbetriebe seiner Einschätzung nach keine tiefgreifenden Vorteile.

Die Betriebe hätten ihre Öffnungszeiten bereits weitgehend auf die Bedürfnisse der Kunden und den Kundenfluss eingestellt. An Samstagen habe sich ein Verkaufsschluss eingespielt, der wohl auch beibehalten werde, meist sei das 16 Uhr. „Die paar Blümchen", die bis 18 Uhr noch verkauft würden, rechtfertigen in Herkers Augen nicht den Aufwand, die gesamte Infrastruktur des Betriebes zu ändern. Einzig zu besonderen Anlässen, etwas zur B+B-Zeit, vor Muttertag oder um den 1. Advent herum, könne sich ein längeres Öffnen am Samstag rechnen. Herker wies aber auch darauf hin, dass sich die Situation für Betriebe in Einkaufszentren anders darstelle: andere Kunden, Haupteinkaufszeiten und Einkaufswünsche. Ausgangspunkte, die veränderte Ladenöffnung und daran angepasste Arbeitszeiten erforderlich machen könnten oder müssten.


Der BVE fordert nach wie vor vier verkaufsoffene Sonntage, die für die Betriebe je nach Saisonschwerpunkt frei wählbar sein sollen. Als Argument führt der BVE dazu einerseits das Recht der Städte und Gemeinden auf Sonderverkaufstage auf, die schließlich nur Geschäften in Citylage zugute kämen. Andererseits sei dies eine Möglichkeit, dem Einkaufstourismus in Nachbarländer mit anderen Regelungen zur Ladenöffnung zu begegnen.

Beste Verkaufszeit meist der Vormittag

Gerade zwei Wochenenden gelten die verlängerten Öffnungszeiten an Samstagen für den Einzelhandel. Bei den Floristen schlägt sich die Änderung kaum nieder, urteilt Günter Dahlmann, Vorsitzender des Öffentlichkeitsausschusses des Fachverbandes Deutscher Floristen (FDF), nach ersten Reaktionen von FDF-Mitgliedern aus dem Hamburger Raum. Anders sehe es hingegen aus, wenn die Geschäfte in den Einkaufszentren angesiedelt sind.

Aus den Äußerungen seiner Kollegen schließt Dahlmann, dass durchaus ein Interesse bei den Floristen bestehe, die neuen Möglichkeiten auszuprobieren. Allerdings fügt er hinzu, dass wohl nur wenige Floristen Bedarf bei den Kunden erwarten. Die meisten hielten verlängerte Öffnungszeiten nicht für lohnenswert, weil kein wirklich neuer Bedarf da sei. Als Begründung führt Dahlmann die Frische des Produktes „Blume" an. Schon in den Morgenstunden kommt beispielsweise von den Großmärkten Ware in die Läden, wo die Floristen umgehend Dienstleistungsaufträge für Bürosträuße, Hochzeiten oder Beerdigungen erledigten. Außerdem wünschten viele Kunden, Geschäftssträuße gleich vormittags auszuliefern, ganz entgegen der beobachteten Tendenz, den Laden erst um zehn Uhr zu öffnen.


Das Gesetz sei ja nicht zwingend, so Dahimann, sondern lasse die Wahl, die Öffnungszeiten selbst zu bestimmen. Diese Möglichkeit hätten eher Blumenfachgeschäfte „auf der grünen Wiese" als Betriebe in den großen Einkaufszentren, die meist vertraglich an gemeinsame Öffnungszeiten gebunden sind. Diese müssten nun ebenfalls bis 18 Uhr geöffnet sein. Doch warum sollte der Center-Kunde nicht auch einen Strauß beispielsweise für die Mutter, die Freundin oder das eigene Heim mitnehmen?


In Stadtlagen passten sich die Fachgeschäfte in der Regel an die allgemein üblichen Ladenöffnungszeiten an. je nach Stadt oder Gemeinde würde das zukünftig wohl samstags entweder bis 16 Uhr oder bis 18 Uhr sein. Die Lage des Geschäftes, die Kundenstruktur sowie Art und Umfang der Dienstleistung haben somit laut Dahlmann großen Einfluss auf die Öffnungszeiten eines Geschäftes.

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