28.Februar 2003

Die Schreie der Rosen sind durchaus hörbar


• Jährlich 280 Millionen Rosen sterben in Deutschland zu früh. Dies könnte sich ändern, wenn konsequent Blumenfrischhaltemittel angewendet werden und der „Schrei der Rosen“ frühzeitig - also schon in der Vermarktungsphase - zu hören ist

Vom „Schrei der Rosen" spricht Professor Dr. Ludger Hendriks (Forschungsanstalt Geisenheim) in Zusammenhang mit Methoden zur Haltbarkeitsprognose, die in seinem Institut derzeit von mehreren Doktoranden erforscht werden. Es geht um Zusammenhänge von Kohlenhydratgehalt der Petalen und Öffnungspotenzial der Blüten. Ein anderes Projekt misst Wasserstress über den von der Rose bei der Wasseraufnahme aufgewendeten Saugdruck. Auch der Einfluss von Lüftungsstrategien auf Emboliebildung in Rosen wird geprüft.

Besonders viel versprechend jedoch scheint das von einer tschechischen Gartenbauwissenschaftlerin - Dr. Sarka Spinarova - in Geisenheim bearbeitete Projekt „Ultraschall und Rosenhaltbarkeit" zu sein. Speziell für eine Prognose des „Bent-Neck-Risikos" - also des häufig vorkommenden vorzeitigen Abknickens der Rosenhälse - eröffnet diese neue Methode gute Perspektiven, sagte Hendriks beim Schnittblumenseminar am 20. Februar in Geisenheim.


Sarka Spinarova stellte das Verfahren vor. Wenn Luft in die Xylemgefäße der Blütenstiele eindringt, lassen sich die Wasserstress-Signale (Kavitationen) mit Ultraschallsensoren als akustische Signale erkennen und aufzeichnen.
Die Anzahl und Intensität der Schallsignale informiert über den Zustand der Testblume. Ein enger Zusammenhang zwischen dem Wasserstress von Schnittrosen und der Zahl erfasster Schallemissionen ist belegt. Auch wird herausgearbeitet, welches Kavitationsprofil schlecht haltbare Rosen haben. Detaillierte Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Gärtnerbörse 22/2002.

Dem „Schrei der Rosen" mit Ultraschallsignalen auf der Spur: Dem  "Schrei der Rosen" auf der Spur
Dr. Sarka Spinarova an den entsprechenden Geräten.

Hendriks sieht gute Chancen für Fortschritte auf dem Weg zu einer zuverlässigen und schnellen Haltbarkeitsprognose für Schnittblumen. Die klassischen Haltbarkeitsversuche dauern viel zu lang, um aktuell bei der Vermarktung eingesetzt werden zu können.

SCHNELLIGKEIT GEFRAGT

Eben mal den Rosenstiel mit einem Sensor anpieksen und aus den Signalen sofort ableiten, wie lange die Rose hält - dieses Szenario bleibt laut Hendriks ein kaum erfüllbarer Wunschtraum. Er rechnet aber damit, dass künftig innerhalb von zwölf bis 14 Stunden sichere Prognosen möglich sind, vielleicht sogar schon nach sechs Stunden.


Stichproben von Rosen, die in der Vermarktungseinrichtung am frühen Abend ankommen, könnte man damit während der Nacht per Ultraschall untersuchen. Morgens vor der Versteigerung wäre das Ergebnis dann bekannt.


Noch Zukunftsmusik!

Im Geisenheimer Labor waren die „Schreie der Rosen" aber schon deutlich zu hören.

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