28.Februar 2003

Soll der Produzent die Rosen entlauben?


Floristen und Einzelhandelsgärtner ärgern sich über viel Abfall


Floristen und Einzelhandelsgärtner drängen darauf, nicht unnötig viel organischen Abfall mit einkaufen zu müssen. Warum - so ihr Anliegen - werden Rosen nicht generell im Produktionsbetrieb entlaubt und entdornt?

Der Fachverband Deutscher Floristen (FDF) empfehle seinen Mitgliedern, bevorzugt solche Rosen einzukaufen, die im Produktionsbetrieb entlaubt und entdornt wurden. So eine Aussage des FDF-Präsidenten Karl-Heinz Newels (Münster) beim Seminar der Sondergruppe Schnittblumen in Geisenheim. Eine Podiumsdiskussion drehte sich um das Thema „Entlaubung und Entdornung im Produktionsbetrieb".
Produzenten äußerten sich hierbei unterschiedlich. Während 'Bernhard Kaiser (Ludwigshafen) als Vorsitzender der Sondergruppe durchaus positive Aspekte einer Verlagerung dieser Arbeit in die Produktionsbetriebe sieht, gab es aus dem Teilnehmerkreis auch Stimmen wie: „Wir wollen solche Zusatzarbeit gerne leisten. Aber nur, wenn wir die fünf Cent Mehrkosten pro Stiel für diese Arbeit wirklich bezahlt bekommen!"

Genau dies wurde von fast allen Seminarteilnehmern aber als unrealistisch angesehen.
Andere gaben auch zu bedenken, mechanisches Entlauben sei zwar bei großblumigen, dickstieligen Rosen weitgehend unproblematisch, nicht aber bei den kleinblumigen Sorten mit dünnen Stängeln. Außerdem kämen Schlegelspuren vor, und dies sei kein ästhetisch befriedigender Anblick.

Newels stellte andererseits heraus, dass die Produzenten mit der Übernahme des Entlaubens und Entdornens ihr Image verbessern und damit für ihre Abnehmer als Partner noch wichtiger würden. In den Produktionsbetrieben lasse sich die betreffende Arbeit mit den entsprechenden Geräten weitaus kostengünstiger bewerkstelligen als im Einzelhandel.

Er gab ferner zu bedenken, in Blumengeschäften bestehe bei Rosen speziell im Sommer ein ungünstiges Verhältnis zwischen Umsatz und Arbeitsaufwand. Wenn man im Sommer Rosen für 1000 Euro einkauft, seien heute fünf bis sechs Stunden Arbeit für Aufbereitung und Verkauf dieser Blumen nötig.

ALLEIN EINE FRAGE DER ÖKONOMIE

Ob schon im Produktionsbetrieb oder erst im Einzelhandel entlaubt und entdornt wird, ist mehr oder weniger allein eine ökonomische Frage. Denn hinsichtlich der Haltbarkeit heben sich Vor- und Nachteile der beiden Varianten weitgehend auf, erwähnte Professor Dr. Ludger Hendriks als Fazit von entsprechenden Untersuchungen des Geisenheimer Zierpflanzenbau-Fachbereichs.


Per Saldo sei die Haltbarkeit der im Produktionsbetrieb entlaubten und entdornten Rosen nicht schlechter als jene, die dieser Prozedur erst im Blumengeschäft unterzogen werden. Weitaus größer seien die Einflüsse der Verwendung von Blumenfrischhaltemitteln (in der gesamten Kette vom Produzenten bis zum Verbraucher!).FDF-Präsident Newels

Das mikrobielle Potenzial in den Rosen ist nach Angabe von Hendriks geringfügig erhöht, wenn man die Rosen schon gleich nach der Ernte entlaubt und entdornt. Dies werde aber durch zwei Faktoren kompensiert: Zum einen haben die teilentlaubten Stängel weniger Biomasse und damit weniger Angriffsflächen für Mikroben. Zum anderen vermindere das Teilentlauben die Gefahr des Lufteintritts und der sehr negativen Bildung von Embolien in den Xylemgefäßen.

IMPORTROSEN SCHON ENTLAUBT

Das Transportvolumen ist deutlich kleiner, wenn der Produktionsbetrieb die Rosen entlaubt und entdornt. Fast allen Rosen, die aus entfernten Ländern wie Kenia, Kolumbien oder Ecuador kommen, werden deshalb bereits im Produktionsbetrieb ihre unteren Blätter und Stacheln entfernt. Dies gilt für das Gros aller von uns importierten Rosen (außer holländischer Ware).

FDF-Präsident Karl-Heinz Neweis:,,Floristen sollten solche Rosen bevorzugen, die im Produktionsbetrieb entlaubt und entdornt wurden."

 

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