Südafrika - Protea, Nadelkissen, Kap-flora
 

Südafrika,

Republik im Süden Afrikas, grenzt im Norden an Namibia, Botswana, Zimbabwe, Moçambique und Swasiland, im Osten und Süden an den Indischen Ozean und im Westen an den Atlantischen Ozean. Im Ostteil des Landes bildet Lesotho eine Enklave. Die Fläche Südafrikas beträgt 1 221 037 Quadratkilometer.

Land

Etwa zwei Drittel des Landes werden von einer zentralen Hochebene eingenommen. Sie wird von einem Komplex von präkambrischen kristallinen Gesteinen gebildet. Sie wurden zum Teil von mächtigen Lagen Sandstein und Schieferton überdeckt. Außer im Südwesten, wo eine Faltung zur Bildung von unregelmäßigen Mittel- und Hochgebirgen geführt hat, liegen diese Schichten nahezu waagerecht.

Physische Geographie

Die Hochebene ist am Südostrand am höchsten, dort verlaufen die Drakensberge, die zur Großen Randstufe gehören, die die Hochebene von den Küstengebieten abgrenzt. Im Bereich der Randstufe liegt der Champagne Castle, mit 3 375 Metern die höchste Erhebung des Landes. Innerhalb der Hochebene lassen sich drei Regionen unterscheiden: das Hochveld, das Buschveld und das Mittelveld. Das Hochveld, das den größten Teil der Hochfläche einnimmt, liegt größtenteils höher als 1 500 Meter und ist weitgehend eben. Die nördliche Grenze des Hochvelds markiert ein Felsgrat, der so genannte Witwatersrand. Nördlich davon liegt das Buschveld oder auch Transvaalbecken. Dieses Gebiet, das von Gebirgskämmen in einzelne Becken unterteilt ist, fällt von Osten nach Westen zum Fluss Limpopo hin ab. Das Buschveld ist im Mittel etwa 1 220 Meter hoch. Der westliche Teil der Hochebene, das so genannte Mittelveld, flacht nach Westen hin ab. Die durchschnittliche Höhe des Mittelvelds beträgt 915 Meter.

Zwischen dem Rand der Hochebene und der östlichen und südlichen Küste fällt das Gelände über eine Reihe von Stufen zum Meer hin ab. Im Süden bestehen die Stufen, vom Landesinneren zur Küste hin betrachtet, aus einer Hochebene, die die Große oder auch Zentrale Karroo genannt wird; einer niedrigeren Hochebene, der so genannten Kleinen oder auch Südlichen Karroo sowie einer Tiefebene. Zwischen der Großen und der Kleinen Karroo befindet sich die Gebirgskette der Swartberge. Unmittelbar südlich von Kapstadt liegt an der Südküste ein isolierter Gipfel, der Tafelberg (etwa 1 080 Meter). An der Südwestküste wird der Rand der Hochebene von einem unregelmäßig verlaufenden Faltengebirge gebildet, das zur Küstenebene hin abrupt abfällt. Südafrika umfasst im Nordwesten auch einen Teil der Wüste Kalahari und im Westen einen Abschnitt der Wüste Namib.

Die Grasländer der zentralen Hochebene Südafrikas besitzen dunkle bis schwarze Böden oder Tschernoseme, die denen der Prärien Nordamerikas ähneln. In den westlichen Gebieten, die weniger Niederschläge bekommen, werden die Tschernoseme von magereren Böden, den kastanienfarbenen Böden, abgelöst. Im Süden sind die Böden geringmächtig und rot. Die Böden des Nordostens sind rötlich und gelblich. Die Bodenerosion ist in weiten Teilen des Landes ein großes Problem.

Flüsse

Die wichtigsten Flüsse Südafrikas sind der Oranje, der Vaal und der Limpopo. Der Oranje ist der längste Fluss des Landes. Er fließt von Lesotho in Richtung Nordwesten und mündet nach etwa 2 090 Kilometern in den Atlantischen Ozean. Der westlichste Teil des Oranje bildet die Grenze zwischen Südafrika und Namibia. Der Vaal entspringt im Nordostteil des Landes, in der Nähe von Swasiland. Er fließt in südwestlicher Richtung bis ins Zentrum des Landes und vereint sich dort mit dem Oranje. Der Limpopo, dessen Ursprung im Nordosten liegt, fließt nach Nordwesten zur botswanischen Grenze, dann entlang der Grenzen mit Botswana und Zimbabwe bis nach Moçambique, wo er in den Indischen Ozean mündet.

Viele Flüsse liegen einen Großteil des Jahres trocken und sind kaum für die Schifffahrt oder die Stromgewinnung, in begrenztem Maße jedoch für die Bewässerung nutzbar.

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Klima

Im Allgemeinen herrscht fast überall in Südafrika ein mildes, gemäßigtes Klima. Mit Ausnahme des äußersten Südwestens steht der größte Teil des Landes unter dem Einfluss der Südostpassate vom Indischen Ozean. Da diese Winde feucht sind, bringen sie jährlich etwa 890 Millimeter Niederschläge in das Östliche Niederveld und bis zu den Drakensbergen in die Eastern Uplands hinein. Das Hochveld erhält etwa 380 bis 760 Millimeter Jahresniederschläge, wobei die Niederschlagshöhen nach Westen hin schnell abnehmen. An der Westküste liegen die Jahresniederschläge oft nur bei 51 Millimetern. Hier kommt es häufig zu Dürren. Die Niederschläge, die mit den Passaten fallen, treten hauptsächlich zwischen Oktober und April auf. In den trockeneren Gebieten der Hochebene sind die Niederschlagsmengen und der Beginn der Regenzeit von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Der äußerste Südwesten steht unter dem Einfluss von Westwinden, die vom Atlantischen Ozean her kommen. Dieses Gebiet erhält jährlich etwa 560 Millimeter an Niederschlägen, wobei diese größtenteils zwischen Juni und September fallen.

Die durchschnittliche Tagestemperatur im Januar beträgt in Durban etwa 24 °C. Die entsprechende Temperatur beträgt für Johannesburg im nördlichen Zentrum Südafrikas, bedingt durch die Hochlage der Stadt, etwa 19 °C. Die durchschnittliche Tagestemperatur im Januar beträgt in Kapstadt an der Südküste etwa 20 °C; das Gebiet um Kapstadt steht unter dem Einfluss von kühlen Atlantikwinden. Die mittlere Tagestemperatur im Juli liegt in Durban bei 17 °C, in Johannesburg bei 9 °C und in Kapstadt bei 12 °C. Im Winter können in den höher gelegenen Bereichen der Hochebene Fröste auftreten.

Flora

Die natürliche Vegetation Südafrikas ist je nach Niederschlagsmenge regional stark unterschiedlich. Das Östliche Niederveld, wo die Niederschläge am höchsten sind, ist von Regenwäldern bedeckt. Entlang der Südküste dieser Region gibt es Wälder, die sich hauptsächlich aus Gelbholz, rotem Stinkholz und Eisenholz zusammensetzen. Der größte Teil der Hochebene ist mit Grasland bedeckt, das im Hochveld einer Prärie ähnelt und häufig völlig baumlos ist. Im Grasland des Buschveld wachsen nur vereinzelt Bäume und Büsche. Auf dem Mittelveld, auf dem die Niederschläge sehr gering sind, besteht die Vegetation fast ausschließlich aus derben Wüstengräsern, die nur im Anschluss an Regenfälle grün werden. Die Große und die Kleine Karroo sind mit trockenem Gestrüpp bewachsen.

Fauna

In Südafrika waren zahlreiche Großsäuger wie Löwe, Elefant, Zebra, Leopard, Pavian, Flusspferd und Antilope heimisch. Diese Tiere sind jedoch größtenteils nur noch in Wildgehegen anzutreffen. Der bedeutendste Wildpark ist der Krüger Nationalpark im Nordosten, der sich entlang der Grenze zu Moçambique erstreckt. Weitere bedeutende Wildgehege sind der Kalahari Gemsbok National Park im Nordwesten; der Addo Elephant National Park bei Port Elizabeth und der Bergzebra (Bergkwagga) Nationalpark bei Cradock. Zahlreiche Vogelarten, zu denen Strauß, Frankolin, Wachtel, Perlhuhn und Moorhuhn gehören, und verschiedene Schlangenarten sind im ganzen Land verbreitet.

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Bevölkerung

Von den fast 41,6 Millionen Einwohnern sind etwa 75 Prozent Schwarzafrikaner, 14 Prozent Weiße, 8 Prozent so genannte Farbige (gemischter Abstammung) und 3 Prozent Asiaten. Die Schwarzafrikaner gehören neun Volksgruppen an: den Zulu, den Xhosa, den Tswana, den Venda, den Sotho, den Ndebele, den Tsonga, den Swasi und den Pedi. Die Zulu als größte dieser Volksgruppen stellen etwa 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Weißen stammen überwiegend von britischen, holländischen, deutschen und französisch-hugenottischen Siedlern ab. Die Menschen holländischer Abstammung bezeichnen sich selbst als Afrikaander oder Buren und stellen etwa 60 Prozent der weißen Bevölkerung. Die farbige Bevölkerung, die hauptsächlich in den Kapprovinzen lebt, stammt vorwiegend von Schwarzafrikanern und Afrikaandern ab. Die Asiaten sind überwiegend indischer Abstammung und am zahlreichsten in Kwa Zulu/Natal vertreten. Ferner wohnt in der Kapprovinz eine kleine Zahl von Menschen malaiischer Herkunft.

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Wichtige Städte

Die größten Ballungsräume Südafrikas sind Johannesburg (1,92 Millionen), die Metropole der Goldfelder; Kapstadt (2,35 Millionen), der Sitz des Parlaments; Durban (1,14 Millionen), ein bedeutender Seehafen; Pretoria (1,08 Millionen), die Verwaltungshauptstadt; Port Elizabeth (850 000), Industriestadt und wichtiger Hafen; Bloemfontein (233 000), ein Zentrum des Rinder- und Schafhandels; Germiston (eigentliche Stadt 116 000), Standort der größten Goldraffinerie der Welt; und Springs (70 000), ein Zentrum der Fertigungsindustrie.

Etwa 60 Prozent der Bevölkerung Südafrikas leben in Städten. Über 25 Prozent der Gesamtbevölkerung leben im städtischen Großraum der Pretoria Witwatersrand Vereeniging (PWV), d. h. im Umkreis von 70 Kilometern um die Stadt Johannesburg.

Sprache

Die Amtssprachen Südafrikas sind Afrikaans, Tsonga, Englisch, Ndebele, Sesotho, Swazi, Tswana, Venda, Xhosa und Zulu. Afrikaans, das eine Abwandlung des Niederländischen darstellt, ist die Hauptsprache fast aller Afrikaander und vieler Farbiger. Englisch ist für viele Weiße eine weitere wichtige Sprache und wird auch von einigen Asiaten und Schwarzen gesprochen. Die meisten Schwarzen verwenden jedoch vorwiegend eine der Bantusprachen (siehe afrikanische Sprachen). Außer Englisch sprechen viele Asiaten noch eine der indischen Sprachen.

Religion

Etwa vier Fünftel der Bevölkerung sind Christen, überwiegend Protestanten. Die meisten Afrikaander hängen der niederländisch-reformierten Kirche an, und die meisten weißen Englisch sprechenden Südafrikaner sind Mitglieder der anglikanischen, der methodistischen, der römisch-katholischen Kirche oder freier Kirchen. Auch Schwarzafrikaner sind Mitglieder dieser Kirchen, viele von ihnen gehören den so genannten unabhängigen Kirchen an, die Elemente des Christentums und traditioneller afrikanischer Religionen miteinander verbinden. Viele Schwarze folgen auch traditionellen Glaubensrichtungen. Die Asiaten sind meist Hindus oder Muslime. Außerdem gibt es in Südafrika eine jüdische Gemeinde mit etwa 120 000 Gläubigen.

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Soziales

Das System der Apartheid hat tiefe Spuren in der südafrikanischen Gesellschaft hinterlassen. Die Weißen erfreuen sich eines Lebensstandards, der sich mit dem der höchstindustrialisierten Staaten der Welt vergleichen lässt. Das mittlere Haushaltseinkommen einer weißen Familie ist zwölfmal so hoch wie das einer schwarzen Familie. Über die Hälfte der Schwarzafrikaner leben unterhalb der Armutsgrenze und die Arbeitslosenquote unter diesen beträgt etwa 45 Prozent. Ein Viertel aller Schwarzafrikaner leben in Baracken oder sind obdachlos, und 40 Prozent haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Nur ein Drittel der Häuser der Schwarzen verfügen über einen Stromanschluss. Die Lebenserwartung der Weißen liegt bei 73, die der Schwarzafrikaner bei 57 Jahren. Die Kindersterblichkeit beträgt bei den Weißen etwa dreizehn je 1 000 Lebendgeborenen im Gegensatz zu 57 je 1 000 bei der schwarzafrikanischen Bevölkerung. Weiße Farmer besitzen über 87 Prozent des Landes.

Seit 1975 hat die Zahl der wohlhabenden Schwarzafrikaner zugenommen, jedoch haben in der gleichen Zeit auch die Einkommen der ärmsten 40 Prozent der Schwarzafrikaner stark abgenommen.

Bildung und Kultur

Die lang andauernde Trennung von Rassen und Volksgruppen in Südafrika hat zu unterschiedlichen kulturellen Entwicklungen geführt. Innerhalb der weißen Bevölkerung hatte die englische Kultur den größten Einfluss, insbesondere nach Beendigung der internationalen Isolation. Innerhalb der schwarzen Bevölkerung unterscheiden sich städtische und ländliche Kultur auch weiterhin. Die städtische Kultur der Schwarzen ist ethnisch gemischt und zunehmend internationalen Einflüssen ausgesetzt, z. B. durch die Afroamerikaner. In den Städten hat das Ende der Apartheid mehr interkulturelles Leben mit sich gebracht. Die traditionelle Kultur der Schwarzafrikaner und der Afrikaander ist in den ländlichen Gebieten am stärksten ausgeprägt. In den letzten Jahren hat sich innerhalb der Gemeinschaft der Farbigen ein neues Selbstbewusstsein entwickelt, das in der Literatur, im Theater und in der Musik zum Ausdruck gebracht wird (siehe afrikanische Literatur ).

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Bildung und Schulwesen

Das Vermächtnis der Apartheid tritt in Südafrika überaus deutlich im Bereich der Bildung zutage, obwohl die Regierung die Ausgaben für die Ausbildung der Schwarzen seit Mitte der achtziger Jahre wesentlich erhöht hat. Der Anteil der schwarzen Bevölkerung, der lesen und schreiben kann, liegt unter 50 Prozent, während er bei den Weißen 100 Prozent beträgt.

An den Universitäten und technischen Hochschulen sind etwa 260 000 Weiße, 120 000 Schwarze, 35 000 Farbige und 30 000 Asiaten eingeschrieben. Die wichtigsten Universitäten sind die Universität Kapstadt (gegründet 1829); die Universität von Natal (1910) in Durban und Pietermaritzburg; die Universität des Oranje-Freistaates (1855) in Bloemfontein; die Universität Pretoria (1908); die Rhodes University (1904) in Grahamstown; die Universität Stellenbosch (1918), die University of the Witwatersrand (1922) in Johannesburg; die Universität von Fort Hare (1916) in Alice; die Universität des Nordens (1959) bei Pietersburg; die Universität von Zululand (1960) bei Empangeni; die Medizinische Universität Südafrikas (1976) in Medunsa; die Universität der Transkei (1977) in Umtata und die Universität von Bophuthatswana (1979) in Mafikeng; die Universität des Westkaps (1960) in Bellville und die Universität von Durban-Westville (1961). Mit der Abschaffung der Apartheid begann, insbesondere in den Großstadtgebieten, eine wachsende Zahl von nichtweißen Schülern und Studenten diejenigen Bildungseinrichtungen zu nutzen, die einst den Weißen vorbehalten waren.

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Kultureinrichtungen

Fast alle Städte in Südafrika haben öffentliche Bibliotheken; die größte ist die Johannesburg Public Library. Weitere bedeutende Bibliotheken sind die African Library in Kapstadt; die State Library in Pretoria und die den Hochschulen angeschlossenen Bibliotheken.

Wichtige Museen sind das National Museum in Bloemfontein, das archäologische, paläontologische und anthropologische Sammlungen umfasst; das Africana Museum in Johannesburg, das historische und völkerkundliche Sammlungen besitzt; sowie die Michaelis Collection, die South African National Gallery und das South African Cultural History Museum in Kapstadt.

Medien

Post-, Telegraphen- und Telefondienste werden von der Regierung betrieben. Der Rundfunk liegt in der Hand der staatlich kontrollierten South African Broadcasting Corporation, die viele Regionalprogramme in den afrikanischen Bantusprachen produziert. Das Fernsehen überträgt seit 1976. In Südafrika gibt es mehr als 20 Tageszeitungen, von denen die meisten in Englisch herausgegeben werden; hierzu gehören The Star (Englisch) in Johannesburg und The Sowetan (Englisch) in den schwarzen Townships sowie Die Burger (Afrikaans) in Kapstadt.

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Verwaltung und Politik

Im Februar des Jahres 1990 hob die weiße Minderheitsregierung Südafrikas das Verbot der politischen Organisationen auf, die gegen die Apartheid waren und ließ den Führer des Afrikanischen Nationalkongresses (African National Congress, ANC), Nelson Mandela , und weitere politische Häftlinge frei. Die Regierung und die Freiheitsbewegung unter Führung des ANC traten in Verhandlungen, um die Apartheid abzuschaffen und den Weg für eine Demokratisierung der Gesellschaft zu ebnen. 1993 kamen die beiden Seiten überein, im April 1994 die ersten Wahlen in der Geschichte Südafrikas durchzuführen, an denen Angehörige aller Rassen teilnehmen sollten. Ein Übergangs-Exekutivrat wurde gebildet, um die Wahlen zu überwachen, nach denen eine neue Staatsregierung und neue Provinzregierungen gebildet werden sollten. In der Regierung der „Nationalen Einheit“ sind Minderheiten vertreten, verfügen aber über kein Vetorecht gegenüber mehrheitlich gefassten Beschlüssen der Regierungspartei. Im Dezember 1996 wurde eine neue Verfassung verabschiedet.

Exekutive

Bei der ersten Zusammenkunft des neuen Parlaments wurde Nelson Mandela zum Präsidenten Südafrikas gewählt. Jede Partei, die bei der Wahl 80 Sitze oder mehr bekommen hatte, hatte das Recht, einen Vizepräsidenten zu benennen. Thabo Mbeki aus dem ANC wurde zum ersten und der ehemalige Präsident F. W. de Klerk aus der Nationalpartei zum zweiten Vizepräsidenten ernannt. Gemäß der Vorläufigen Verfassung regiert der Präsident, er muss jedoch die Vizepräsidenten zu Rate ziehen, bevor er Entscheidungen fällt. Die Kabinettsposten wurden auf Grundlage der Zahl der Sitze vergeben, die die politischen Parteien im Parlament innehatten. Dem ANC wurden 18 Ministerposten zugestanden, der Nationalpartei sechs und der Inkatha-Freiheitspartei drei.

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Legislative

Das neue Parlament Südafrikas setzt sich aus zwei Kammern zusammen, einer 400-köpfigen Nationalversammlung und einem 90-köpfigen Senat. Die Sitze der Nationalversammlung wurden auf der Grundlage der Stimmenanteile vorgenommen, die die politischen Parteien bei der Wahl im April 1994 erhalten hatten. Die Senatsmitglieder wurden von den Provinzparlamenten gewählt. Jedes der neun Parlamente wählte zehn Senatoren. Die Hauptaufgabe des neuen Parlaments ist es, eine neue Verfassung zu erarbeiten und zu verabschieden; diese muss mindestens zwei Drittel der Stimmen der Abgeordneten auf sich vereinigen, um in Kraft zu treten. Die Abgeordneten bleiben bis 1999 im Amt; dann werden neue Wahlen nach der neuen Verfassung stattfinden.

Judikative

Nach der Vorläufigen Verfassung wurde ein neues oberstes Gericht, das Verfassungsgericht, gegründet. Dieses besteht aus einem Präsidenten und zehn Richtern, die alle vom Kabinett aus einer Liste ausgewählt wurden, die eine unabhängige Ernennungskommission aufgestellt hatte. Das Verfassungsgericht prüft die Verfassungsmäßigkeit aller Gesetze.

Kommunalverwaltung

Gemäß der Vorläufigen Verfassung, die 1993 in Kraft trat, gliedert sich Südafrika nun in neun Provinzen. Diese Provinzen sind: Gauteng mit Johannesburg als Hauptstadt; die Nordprovinz mit Pietersburg als Hauptstadt; Mpulmnlnga (Ost-Transvaal) mit Nelspruit als Hauptstadt; North-West mit Mmabatho als Hauptstadt; der Free State mit Bloemfontein als Hauptstadt; Kwa Zulu/Natal; Ostkap mit Bisho als Hauptstadt; Nordkap mit Kimberley als Hauptstadt und Westkap mit Kapstadt als Hauptstadt. Die schwarzen Homelands wurden aufgelöst und Südafrika wieder angegliedert, als die Vorläufige Verfassung in Kraft trat.

Die Vertretung in den neun Provinzparlamenten richtet sich auch nach den Stimmenanteilen, die die Parteien bei der Wahl gewonnen haben. Jeder Provinz steht ein Premier vor, der vom Parlament gewählt wurde. Der Premier ist Vorsitzender eines zehnköpfigen Exekutivrates. Die Provinzparlamente haben eine erhebliche Macht und Verantwortlichkeit, wozu auch die Ausarbeitung von Provinzverfassungen gehört.

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Politik

Die wichtigsten politischen Parteien Südafrikas sind der ANC (gegründet 1912); die Nationalpartei (gegründet 1914); die Inkatha-Freiheitspartei (gegründet 1975); der Panafrikanische Kongress (gegründet 1959); die Kommunistische Partei Südafrikas (gegründet 1921); die Konservative Partei (gegründet 1982) und die Demokratische Partei (gegründet 1989). Der ANC ist die älteste Freiheitsbewegung in Afrika und erlangte bei den ersten freien und demokratischen Wahlen im April 1994 eine klare Mehrheit. Nachdem das Verbot des ANC im Februar 1990 aufgehoben worden war, nahm seine Mitgliederzahl rasch zu, und es konnten auch zunehmend Nichtschwarze als Mitglieder gewonnen werden. Die Nationalpartei lag bei diesen Wahlen an zweiter Stelle. Sie war in den Jahren 1948 bis 1994 die Regierungspartei gewesen und somit verantwortlich für die Einrichtung des Apartheidsystems. Bei den Wahlen im Jahr 1994 versuchte sich die Nationalpartei als eine Partei der Reformen darzustellen. Die Inkatha-Freiheitspartei des Häuptlings Mangosuthu Gatsha Buthelezi, die noch bis eine Woche vor den Wahlen mit deren Boykott drohte, ist in der Provinz Kwa Zulu/Natal der Hauptgegner des ANC.

Verteidigung

Südafrikas militärische und Polizeieinrichtungen wurden nach der Abschaffung der Apartheid stark umstrukturiert. Den neuen nationalen Streitkräften gehören 95 000 Berufssoldaten, eine 120 000 Mitglieder umfassende Bürgerwehr und 130 000 Soldaten in regionalen Kommandotruppen an.

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Wirtschaft

Bis zum 1. Weltkrieg (1914-1918) stützte sich die südafrikanische Wirtschaft hauptsächlich auf den Bergbau (Diamanten und Gold) und die Landwirtschaft. Seit dem Ende des 2. Weltkrieges 1945 hat das Land eine rasche industrielle Entwicklung vollzogen.

Landwirtschaft

Aufgrund begrenzter Niederschlagsmengen und unfruchtbarer Böden dienen 85 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Viehwirtschaft, insbesondere der Zucht von Schafen, Ziegen, Rindern, Schweinen und Geflügel. Dennoch kann Südafrika sich weitgehend selbst mit Nahrungsmitteln versorgen. Die Weißen führen im Allgemeinen große, moderne landwirtschaftliche Betriebe, während die meisten Nichtweißen nur kleine Farmen besitzen. Wichtigste Anbauprodukte sind Zuckerrohr, Mais, Weizen, Weintrauben, Kartoffeln, Zitrusfrüchte, Sorghum-Hirse und Äpfel.

Forstwirtschaft und Fischerei

Die Forstwirtschaft Südafrikas stützt sich weitestgehend auf Kiefern-, Eukalyptus- und Akazienwälder. Die Rinde der Akazienbäume, die zum Gerben verwendet wird, ist ein wichtiges Exportgut.

Die Küstenfischerei ist sowohl für den Binnenmarkt als auch für den Außenhandel von Bedeutung. Ein Großteil des Fanges wird zu Fischmehl verarbeitet. Gefangen werden u. a. Seehechte, Sardellen, Sardinen, Heringe und Makrelen.

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Bergbau

Südafrika ist sehr reich an Bodenschätzen. Die bedeutendsten davon sind Gold, Kohle und Diamanten. Gold wird hauptsächlich am Witwatersrand abgebaut, wo sich das reichste Goldvorkommen der Welt befindet, das 1886 entdeckt wurde. Das Gold am Witwatersrand tritt in Kiesschichten, den so genannten Bankets, in winzigen Stückchen auf, die für das bloße Auge unsichtbar sind; diese Kiesschichten werden bis zu Tiefen unterhalb von 3 048 Metern abgebaut. Auch Uran wird am Witwatersrand wirtschaftlich genutzt. Im Nordosten zwischen Lesotho und Swasiland gibt es weitläufige und leicht ausbeutbare Kohlenflöze. Ein weiteres Beispiel für den Mineralreichtum sind die Diamanten. Die meisten Diamanten kommen aus den Diamantfeldern bei Kimberley, die im Jahr 1870 entdeckt wurden. Die Ausbeutung im Tagebau stieß bald an ihre Grenzen, so dass die Diamanten bis zu ihrem Ausgangsgestein verfolgt und durch Bergbau im großen Maßstab gewonnen werden mussten. Weitere in Südafrika vorkommende Minerale sind Kupfer, Nickel, Asbest, Platin, Chromit, Fluorit, Phosphate, Vanadium, Zinn, Titan, Mangan und Eisenerze.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann der industrielle Abbau von Gold und Diamanten. Anfang der neunziger Jahre waren die wichtigsten Förderprodukte aus südafrikanischen Minen Gold, Kohle, Platin, Eisenerz, Diamanten, Chrom, Mangan, Vanadium, Vermiculit, Antimon, Kalkstein, Asbest, Flussspat, Uran, Kupfer, Blei und Zink. Das Land besitzt große Erdölvorkommen; dennoch werden große Mengen an Öl und Gas auf synthetischem Weg aus Kohle gewonnen.

Industrie

Zu Beginn der neunziger Jahre war dieser Sektor für 25 Prozent des Bruttoinlandprodukts verantwortlich. Ein Großteil des zur Industrialisierung benötigten Kapitals kam aus privater Hand, sowohl aus Südafrika selbst als auch aus dem Ausland. Wichtige Fertigprodukte aus Südafrika sind chemische Produkte, Kohlenprodukte, Tabakerzeugnisse, Lebensmittelkonserven, Transportanlagen, Eisen und Stahl, Metallwaren, Papier und Textilien.

Währung

Der Rand mit 100 Cents ist die Währungseinheit Südafrikas, die von der South African Reserve Bank (gegründet 1920) ausgegeben wird. Die Börse von Johannesburg zählt zu den wichtigsten der Welt.

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Außenhandel

Seit dem Beginn der neunziger Jahre übertreffen die Exporteinnahmen Südafrikas die Importausgaben, was weitgehend auf Gewinne aus Goldverkäufen zurückzuführen ist. Mit Gold werden etwa 30 Prozent der jährlichen Exportgewinne erzielt; weitere Exportgüter sind Metalle und Metallwaren, Nahrungsmittel, Diamanten und andere Edelsteine, Eisen und Stahl sowie chemische Produkte. Die wichtigsten Importgüter sind Maschinen und Elektrogeräte, Transportanlagen, chemische Produkte und Nahrungsmittel. Die bedeutendsten Handelspartner Südafrikas sind Japan, Großbritannien, die Vereinigten Staaten, Deutschland, die Schweiz, Italien, Kanada und die Niederlande.

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Gewerkschaften

Die wichtigsten Arbeiterorganisationen in Südafrika sind der Congress of South African Trade Unions; der National Council of Trade Unions, die South African Confederation of Labour und die Federation of South African Trade Unions. Ende der siebziger Jahre wurden den Schwarzafrikanern Möglichkeiten zur Bildung von Gewerkschaften eingeräumt, und einige Gewerkschaften der Weißen nahmen auch Nichtweiße als Mitglieder auf. Viele Schwarzafrikaner arbeiten als Zeitarbeiter in Fabriken und Bergwerken; einige von ihnen kommen aus den Nachbarländern.

Verkehrswesen

Das Eisenbahnnetz, das alle wichtigen Zentren miteinander verbindet, ist fast ausschließlich in staatlicher Hand. Anfang der neunziger Jahre wurden etwa 24 000 Kilometer Eisenbahnstrecken unterhalten. Ferner verfügt Südafrika über ein Straßennetz von 185 000 Kilometer, von dem etwa 30 Prozent befestigt sind. Die South African Airways als größte Fluggesellschaft, mehrere kleinere regionale sowie zahlreiche ausländische Fluggesellschaften bieten ihre Dienste an. Der größte Flughafen liegt in Johannesburg. Die wichtigsten Seehäfen sind Kapstadt, Mossel Bay, Port Elizabeth, East London , Durban, Saldanha und Richards Bay.

Energie

Der in Südafrika erzeugte Strom stammt fast ausschließlich aus Wärmekraftwerken, die überwiegend Kohle verbrennen.

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Geschichte

Im Jahr 1652 landeten die ersten holländischen Siedler in der Nähe des Kaps der Guten Hoffung in einem Gebiet, das von Khoikhoi besiedelt war. Als immer mehr Holländer und französische Hugenotten ankamen, verdrängten sie bis zum 18. Jahrhundert die Khoikhoi von ihrem Land, das diese zur Rinderzucht genutzt hatten. Kapstadt stieg als Zwischenstation für den Ostindienhandel zu einem bedeutenden Hafen auf. Die Siedler, die hauptsächlich Bauern und Viehzüchter waren, entwickelten bald eine eigene charakteristische Kultur und Sprache (siehe Buren ). In den siebziger Jahren des 17. Jahrhunderts trafen sie bei ihrer Expansion auf Bantus aus Ostafrika, auf die Nguni im Gebiet zwischen den Drakensbergen und dem Meer und auf die Sotho im Binnenland nördlich der Kapkolonie, die sie unterwarfen. Der Kampf um Land führte am Anfang des 19. Jahrhunderts zu Kriegen zwischen den Bantu-Gruppen. Hunderttausende starben, ganze Kulturen verschwanden, zahlreiche neue Bantu-Nationen wie z. B. Swazi, Zulu, Xhosa und Sotho entstanden.

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Frühe britische Besiedlung

Nach 1820 kamen Tausende von britischen Siedlern nach Südafrika. 1822 wurde Englisch zur Amtssprache und im Jahr 1833 wurde die Sklaverei abgeschafft. Diese Maßnahmen führten zum „Großen Treck“, im Zuge dessen Tausende von Buren nach Norden zogen und sich jenseits des Oranje und des Vaal und in Natal niederließen. Sie vertrieben den Stamm der Ndebele auf die andere Seite des Limpopo und besiegten die Zulu, um dann eine Reihe von Siedlungen in dem Gebiet zu gründen. Die Briten besetzten bald darauf die Küstenregion von Natal und gründeten dort 1843 eine Kronkolonie. Daraufhin verließ der größte Teil der Buren Natal und zog nach Westen und Norden, wo sie den Oranje-Freistaat (heute Free State) und die Transvaal-Republiken (heute Northern Province, Gauteng, North-West) gründeten. Bis Ende der fünfziger Jahre hatten sich die Gebiete jenseits des Vaal zur Südafrikanischen Republik zusammengeschlossen. Obwohl die Versuche, die Republik und den Oranje-Freistaat zu vereinigen, scheiterten, unterhielten die beiden Burenrepubliken in den folgenden Jahren enge Beziehungen.

1867 wurden in Griqualand-West bei Kimberley, das von der Südafrikanischen Republik beansprucht wurde, Diamanten gefunden. Daraufhin erklärte Großbritannien 1868 Basutoland (heute Lesotho) zum britischen Protektorat. 1877 erneuerten die Briten ihre Herrschaft über die Südafrikanische Republik. Als die Buren sich 1881 erfolgreich gegen die britischen Besetzer zur Wehr setzten, wurde der Südafrikanischen Republik eine teilweise Unabhängigkeit zugestanden. 1883 wurde der Burenführer Paul Kruger zum Präsidenten der Republik gewählt.

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Der Burenkrieg

1886 wurden gewaltige Goldvorkommen im südlichen Transvaal entdeckt. Der Bergbau wurde von den Briten finanziert und Tausende von englischen Minenarbeitern, von den Buren Uitlanders („Ausländer“) genannt, kamen nach Transvaal. Kruger weigerte sich, den Uitlanders gleiche Bürgerrechte einzuräumen und besteuerte ausländische Gesellschaften stark. Nachdem Kompromissverhandlungen scheiterten, rief der britische Finanzier und Premierminister der Kapkolonie, Cecil Rhodes, die Uitlanders 1895 zur Revolte auf; dabei wurde er von einer kleinen Invasionstruppe unter dem Kommando von Sir Leander Starr Jameson unterstützt. Der Aufstand war erfolglos, und Rhodes sah sich gezwungen, als Premierminister zurückzutreten.

Die Beziehungen zwischen der Kapkolonie und den beiden Buren-Republiken verschlechterten sich immer mehr. 1899 erklärte Kruger den Briten den Krieg (siehe Burenkrieg ), der bis 1902 dauerte und von den Briten gewonnen wurde. 1902 wurden Transvaal und der Oranje-Freistaat britische Kronkolonien. 1910 beschloss das britische Parlament die Gründung der Südafrikanischen Union. Die Südafrikanische Partei gewann die ersten Wahlen, und der frühere Befehlshaber der Burenarmee, Louis Botha, wurde Premierminister. Als Reaktion auf die Politik der Botha-Regierung, insbesondere die Aneignung von Gebieten der Schwarzafrikaner, schlossen sich schwarze afrikanische Führer 1912 zu einer Organisation zusammen, aus der schließlich der Afrikanische Nationalkongress (ANC) hervorging.

Die beiden Weltkriege

Zu Beginn des 1. Weltkrieges 1914 sicherte Botha Großbritannien seine volle Unterstützung zu und 1915 schlug er einen Aufstand extremistischer Afrikaandergruppen nieder. Botha selbst führte die südafrikanischen Truppen an, die Deutsch-Südwestafrika eroberten. 1920 wurde dieses Gebiet zu einem Mandat der Völkergemeinschaft unter südafrikanischer Aufsicht.

Botha starb im Jahr 1919. Sein Nachfolger im Amt des Premierministers war ein weiterer englandfreundlicher Führer, Jan Christiaan Smuts. Die Südafrikanische Union erklärte Deutschland zwar 1939 den Krieg, wegen der deutschfreundlichen Stimmung unter den Buren wurde jedoch kein Einberufungsgesetz verabschiedet. Alle Mitglieder der bewaffneten Streitkräfte der Union waren Freiwillige und ihr einziger Kampfeinsatz fand in Nordafrika statt.

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Apartheid

Mohandas K. Gandhi führte bereits seit dem 1. Weltkrieg den Kampf um die Zusicherung der Bürgerrechte für die ansässigen Inder. Trotz einiger Zugeständnisse der Regierung, zu denen auch die Abschaffung der Kopfsteuer gehörte, hatte die indische Bevölkerung nach dem Krieg immer noch einen zweitklassigen Status.

Das Landverteilungsgesetz von 1913, in dem entweder der europäischen oder der nichteuropäischen Bevölkerung Land zugewiesen wurde, stellte einen der ersten Schritte zur Einführung der Rassentrennung dar. Diese Verordnung und nachfolgende Gesetze gestanden den Schwarzen, die zu dieser Zeit etwa drei Viertel der Bevölkerung stellten, lediglich den Besitz von 13 Prozent der Landesfläche zu. Die Schwarzen Südafrikas nahmen in dem von Weißen beherrschten Staat eine noch niedrigere Stellung ein. Die schwarzafrikanische Stadtbevölkerung lebte in „rassisch“ abgetrennten Gebieten und durfte weder Ämter bekleiden noch an Wahlen teilnehmen. Sie konnten keine eigenständigen Gewerkschaften gründen, und Posten als Fachkräfte und in der Verwaltung blieben ihnen verwehrt. Die Nationalpartei, die 1914 gegründet worden war, siegte bei den Wahlen 1948 unter der Führung von Daniel F. Malan knapp und begann eine strikte Apartheidspolitik zu betreiben, durch die die „Rassen“ wirtschaftlich, politisch, räumlich und sozial getrennt werden sollten. Eheschließungen zwischen Weißen und Schwarzafrikanern wurden als Verbrechen geahndet, und für Weiße wurde ein anderer Ausbildungsgang festgelegt als für Schwarze. Am drastischsten war das Gesetz über getrennte Wohngebiete von 1950, das durch die nachfolgende Gesetzgebung noch verschärft wurde. Es sah vor, dass jeder der vier „Rassengruppen“, d. h. Europäern, Bantu, Farbigen und Asiaten, bestimmte Gebiete vorbehalten sein sollten. Diese Gesetze und das Konzept der Homelands, das den Schwarzen das Recht verweigerte, ohne Sondergenehmigung in den Stadtzentren zu leben, bildeten die Grundlage der Apartheid. Allen Schwarzafrikanern wurden bestimmte Stammesgebiete zugewiesen, und sie mussten Pässe bei sich haben, wenn sie die den Weißen vorbehaltenen Gebiete betraten. 1956 wurde den Farbigen der Kapprovinz das Wahlrecht entzogen und die Entscheidungsgewalt des Gerichtshofes in Verfassungsfragen eingeschränkt.

Der Widerstand der Schwarzen gegen die Apartheid, der gewaltfrei begonnen hatte, führte zu zahlreichen Zusammenstößen und vielen Toten. Nach blutigen Auseinandersetzungen in Sharpville 1960 rief die Regierung den Notstand aus. Tausende von Schwarzen wurden verhaftet und politische Parteien, der ANC und der neu gegründete Panafrikanische Kongress ( Pan-Africanist Congress, PAC) wurden verboten.

1962 verabschiedete die Regierung das so genannte Sabotagegesetz, das die meisten Formen politischer Opposition unter Strafe stellte. Der ANC und der PAC entschieden sich daraufhin für den bewaffneten Widerstand gegen das Regime. 1964 wurde Mandela der Sabotage und des Verrats bezichtigt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Führer der Kwa Zulu, Chief Mangosuthu Gatsha Buthelezi, gründete 1975 die Inkatha Freedom Party, die in enger Zusammenarbeit mit dem Apartheidsregime versuchte, unter Einsatz von Terror gegen die Bevölkerung die Antiapartheidspolitik des ANC in Misskredit zu bringen.

1976 kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, als 10 000 Schüler in Soweto gegen die Apartheid demonstrierten. 1977 brachen weitere Unruhen aus, als Stephen Biko, der Gründer des Black Consciousness Movements, unter Polizeifolter starb.

Internationale Isolierung

Im Juni 1964 verurteilte der UN-Sicherheitsrat die Apartheid. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen stimmte im Oktober 1966 dafür, das Mandat Südafrikas über Südwestafrika zu beenden; Südwestafrika wurde in Namibia umbenannt. Südafrika lehnte alle Eingriffe der UN ab und band das Gebiet weiterhin in seine eigene Wirtschaft ein. Im Juni 1971 verfügte der Internationale Gerichtshof, dass Südafrikas Anwesenheit in Namibia ungesetzlich sei. Als Guerillakämpfer der South West Africa People’s Organization (SWAPO) begannen, von Angola aus die Grenze zu überschreiten, um in Namibia Ziele anzugreifen, eskalierte die Lage. Südafrika griff Angola an und unterstützte die Rebellen. Die Kämpfe hielten bis in die achtziger Jahre an; dann zwang der politische und wirtschaftliche Druck Südafrika, eine versöhnlichere Haltung einzunehmen. Die von den Vereinigten Staaten geförderten Friedensgespräche im Dezember 1988 führten schließlich zur Unabhängigkeit Namibias.

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Reformen

1978 übernahm Pieter Willem Botha das Amt des Präsidenten.

Politische und wirtschaftliche Sanktionen und die Niederlage der südafrikanischen Truppen im Krieg mit Angola 1988 führten zu einer allmählichen Abschwächung der Apartheidspolitik. Ab 1989 führte Bothas Amtsnachfolger Frederik W. de Klerk diese Reformpolitik fort. 1990 begnadigte de Klerk Nelson Mandela und trat mit dem ANC in Verhandlungen ein. Aus den ersten freien Wahlen im April 1994 ging der ANC als deutlicher Wahlsieger hervor. Nelson Mandela wurde am 10. Mai 1994 zum ersten farbigen Präsidenten Südafrikas ernannt. Vizepräsident de Klerk zog im Juli 1996 seine Minister aus dem Kabinett zurück.

Präsident Nelson Mandela setzte am 10. Dezember 1996, dem internationalen Tag der Menschenrechte, in Sharpeville eine neue Landesverfassung in Kraft. Sechs Tage zuvor war diese endgültig vom Verfassungsgericht bestätigt worden, nachdem noch im September ein Entwurf zurückgewiesen worden war. Das Gericht hatte einige Bedingungen, die in der zugrundeliegenden Übergangsverfassung von 1994 festgelegt worden waren, als nicht erfüllt angesehen.

Die neue Verfassung gilt als eine der liberalsten der Welt. Die Gleichstellung der verschiedenen ethnischen Gruppen, die Gleichstellung von Frauen und Männern sowie soziale Gerechtigkeit gelten als vorrangige Ziele. Meinungs- und Religionsfreiheit und das Recht auf gewerkschaftliche Betätigung werden garantiert, die Gewaltenteilung ist festgeschrieben.

An der neuen Verfassung hatten seit 1991 außer der Inkatha-Freiheitspartei (IFP) alle wichtigen Organisationen des Landes mitgearbeitet. Die IFP hatte die Verfassung abgelehnt, da sie als Regionalpartei weitgehende Autonomie für die einzelnen Provinzen gefordert hatte, um so ihre Position gegenüber dem regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) behaupten zu können. Ein Sprecher der IFP erklärte nach der Unterzeichnung der neuen Verfassung, dass die Inkatha nun bereit sei, diese trotz erheblicher Bedenken zu akzeptieren.

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